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Bandscheibenvorfall: was tun?

Irgendwann hatte ich auf einmal Rückenschmerzen und kurz darauf begannen undefinierbare Schmerzen, die sich von der Hüfte bis ins Bein zogen und nicht mehr weggingen. Außerdem kribbelte es immer wieder im Fuß. Beim Laufen war es manchmal etwas besser, aber wirklich weg waren die Schmerzen nie. Da ich nicht besonders gerne zum Arzt gehe, habe ich es erst einmal mit rezeptfreien Schmerztabletten versucht, die haben aber kaum geholfen. Langsam schwante mir, dass das nichts Gutes bedeuten kann, zumal fast alle Bekannten, denen ich von meinen Schmerzen erzählte, sofort Bandscheibenvorfall diagnostizierten. Schließlich bin ich dann doch zu meinem Hausarzt gegangen, der dann leider auch ziemlich schnell zum gleichen Ergebnis kam.

Ich war erst einmal geschockt, aber mein Arzt meinte, dass das nicht unbedingt schlimm sein muss, also nicht zwangsläufig eine Operation erforderlich ist. Er riet mir, erst einmal für zwei Wochen die Wirbelsäule zu entlasten und verschrieb mir stärkere Schmerzmittel. Für die nächsten zwei Wochen sollte ich möglichst auf einer harten Unterlage schlafen, auf keinen Fall schwer heben und keinen Sport treiben, bei dem Drehbewegungen erforderlich sind. Wenn überhaupt, empfahl er Schwimmen, da das die Wirbelsäule entlastet. Daran habe ich mich so gut wie möglich gehalten. Nach den zwei Wochen wurde es tatsächlich etwas besser, ganz vorbei war es aber immer noch nicht. Mein Arzt empfahl mir dann Krankengymnastik, um die Bauch- und Rückenmuskulatur zu stärken. Glücklicherweise übernahm meine Krankenkasse für eine Zeit lang die Kosten dafür, das ist aber von Krankenkasse zu Krankenkasse unterschiedlich. Danach habe ich dann noch auf eigene Kosten weiter gemacht, bis die Schmerzen ganz weg waren. Anschließend bin ich in ein Sportstudio gewechselt, das ein spezielles Rückentraining anbietet, außerdem gehe ich möglichst regelmäßig schwimmen. Auch fahre ich jetzt öfter mit dem Fahrrad oder gehe zu Fuß. Bewegung, das habe ich gelernt, ist für die Bandscheiben außerordentlich wichtig. Ich hatte glücklicherweise nur einen leichten Schaden, aber es kann auch schlimmer kommen.

Meine Krankengymnastin hat mich während der Behandlung über die Wirbelsäule und die Bandscheiben aufgeklärt, was ich sehr gut fand. Mir wurde dann erst richtig klar, wie wichtig ist es ist, auf sie zu achten. Wenn man weiß, wie das komplexe Wirbelsäulensystem funktioniert, wird einem einiges klar. Deshalb nachfolgend eine kurze Erläuterung.

Die Wirbelsäule

Die Wirbelsäule wird in fünf Abschnitte eingeteilt. Von oben nach unten sind dies: Hals-, Brust- und Lendenwirbelsäule sowie Kreuz- und Steißbein. Insgesamt hat die Wirbelsäule 34 Wirbel (manchmal auch 35). Die oberen 24 Wirbel sind beweglich, die unteren 10 bis 11 sind miteinander zu Kreuz- und Steißbein verwachsen. Die meisten Wirbel bestehen aus einem Wirbelkörper und einem Wirbelbogen, wodurch in der Mitte ein Hohlraum entsteht. Die Hohlräume aller Wirbelknochen zusammen bilden den Wirbelkanal, der das empfindliche Rückenmark schützt. Zwischen jeweils zwei benachbarten Wirbeln treten die Rückenmarksnerven (Spinalnerven) aus und ziehen sich beispielsweise in die Beine oder in die Arme.

In einer Art geschwungener Bogen verbindet die Wirbelsäule den Kopf mit dem Becken. Von der Seite betrachtet hat sie die Form eines Doppel-S. Die Wirbelsäule selbst ist von einem Stützapparat umgeben, der aus etwa 550 Muskeln sowie aus 400 Sehnen und Bändern besteht. Die Wirbelsäule hat im Wesentlichen die Aufgabe Erschütterungen, die beispielsweise beim aufrechten Gehen vorkommen, abzudämpfen und gleichmäßig auf den ganzen Körper zu verteilen. Somit fungiert sie wie ein Stoßdämpfer eines Autos. Zusätzlich bilden sie wie viele andere Knochen in ihrem Knochenmark Blutzellen.

Die Halswirbelsäule

Die Halswirbelsäule besteht aus sieben relativ kleinen Wirbeln. Der erste Halswirbel wird Atlas genannt. Er besteht im Gegensatz zu den anderen Wirbeln nicht aus einem Wirbelkörper und einem Wirbelbogen, sondern lediglich aus einem Knochenring, der die gesamte Wirbelsäule mit dem Schädelknochen verbindet. Dass der Hals beziehungsweise der Kopf so beweglich ist, kommt daher, dass der Atlas eine besonders bewegliche Verbindung zum zweiten Halswirbel (Axis) hat. Das, was die meisten Menschen im Nacken als kleine Knochenauswölbung ertasten können, ist der siebte und letzte Halswirbel. Als Besonderheit weisen die Halswirbel Querfortsätze mit kleinen Öffnungen auf, durch die die Wirbelaterien verlaufen. Sie entspringen der Hauptschlagader und sind für Blutversorgung des Gehirns von großer Bedeutung.

Die Brustwirbelsäule

Die Brustwirbelsäule besteht aus 12 kräftigen Wirbeln, die als Ansatz für die Rippen des Brustkorbs dienen und durch ein Gelenk mit diesen verbunden sind. Am Ende der Brustwirbelsäule treten die Nerven für die Beine aus.

Die Lendenwirbelsäule

Die fünf Wirbel der Lendenwirbelsäule sind relativ groß, da sie den größten Anteil am Körpergewicht tragen. Aufgrund der hohen Belastung treten besonders in diesem Bereich Gelenkabnutzungen oder Bandscheibenvorfälle auf. Im ersten oder zweiten Lendenwirbel endet das Rückenmark. Durch den Wirbelkanal der Lendenwirbelsäule ziehen sich jedoch sowohl Nerven für die Beine als auch Nerven für das Becken.

Kreuzbein und Steißbein

Die Wirbel des Kreuzbeins sind im Laufe der Evolution zusammengewachsen und bilden nunmehr eine Einheit. Die fünf zusammenhängenden Wirbel des Kreuzbeins sind durch ein Gelenk mit dem Becken verbunden. Auch das Steißbein hat sich im Laufe der menschlichen Entwicklung verändert. Es entspricht quasi dem Schwanzskelett bei den Wirbeltieren. Beim Menschen hat sich dieses Schwanzskelett mit der Zeit zurückgebildet und besteht heute nur noch aus 3 bis 4 oder 5 Wirbeln, die ebenfalls miteinander verschmolzen sind. Hauptsächlich dient es als Ansatzpunkt für verschiedene Muskeln und Bänder des Beckens.

Bandscheiben und Bänder

Die Wirbelsäule ist zwar ein wichtiges Stabilisierungsorgan, aber auch für die Bewegung übernimmt sie eine tragende Rolle. Deshalb müssen die Wirbelkörper einerseits stabil miteinander verbunden sein, andererseits müssen sie aber auch Bewegungen zulassen. Eine zugleich stabile und bewegliche Verbindung ist eine komplizierte Angelegenheit. Bei der Wirbelsäule wird das durch ein System mit mehreren Komponenten gelöst. Zum einen sind jeweils zwei benachbarte Wirbel mit einem Wirbelgelenk verbunden, sodass Bewegung möglich ist. Zum anderen erhält die Wirbelsäule Stabilität durch Bandscheiben, Bändern und Muskeln.

Außer dem ersten und dem zweiten Halswirbel sowie dem Kreuz- und Steißbeinwirbel sind alle anderen Wirbel zwischen den Wirbelköpern durch eine Bandscheibe verbunden. Die Bandscheibe besteht aus einem weichen Kern (Gallertkern), der wie eine hydraulische Kugel funktioniert. Der Kern ist jeweils von einem festen aber elastischen Ring umgeben. Diese Faserringe wirken dem Innendruck des Gallertkerns entgegen.

Die wesentliche Aufgabe der Bandscheiben ist, neben der beweglichen Verbindung der Wirbel, die Abfederung von Erschütterungen, wie sie bei Bewegungen entstehen. Bandscheiben bestehen bei Neugeborenen aus 100 % Wasser, während des Alterungsprozesses nimmt dieser Anteil bis zu ca. 35 % ab. Damit Bandscheiben ihre Elastizität behalten, müssen sie regelmäßig mit Flüssigkeit versorgt werden. Dies geschieht in erster Linie durch Bewegung. Bei Bewegung wird die Bandscheibe be- und entlastet und nur dadurch kann die Bandscheibe Flüssigkeit aufnehmen. Wenn sie zu wenig Flüssigkeit hat, wird der äußere Faserring der Bandscheibe rissig und die Elastizität nimmt ab. Dadurch kann es passieren, dass der Gallertkern nicht mehr in seine neutrale Position gebracht werden kann. Bei einem Wassermangel in den Bandscheiben spricht man von einer Unterernährung der Bandscheibe. Diese kann auch auftreten, wenn die Bandscheiben ständig einer Überbelastung ausgesetzt sind. Durch die Bänder und Muskeln erfolgt die Stabilität der Wirbelsäule.

Die Bandscheibe ist täglich enormen Belastungen ausgesetzt. Normalerweise drücken zwischen 30 bis 50 Kilo auf das Organ. Auch eine kurzfristige Belastung um das Vierfache kann eine gesunde Bandscheibe abfedern. Die Anpassung an die tägliche Belastung lässt sich sogar mit dem Metermaß nachweisen. Die meisten Menschen sind am Anfang des Tages ca. zwei Zentimeter größer als am Abend.

Bandscheibenprobleme

Eine Abnutzung oder Unterernährung der Bandscheiben muss nicht zwangsläufig zu Bandscheibenproblemen führen. Bei einer allmählichen Abnutzung, wie sie der Alterungsprozess mit sich bringt, kann sich das Funktionssystem der Bandscheiben durchaus auf die veränderte Situation einstellen. Das Risiko steigt jedoch je „unterernährter“ die Bandscheiben sind. Bei einem akuten Vorkommnis, beispielsweise eine ungewöhnlich starke Druckbelastung, entstehen hingegen in der Regel starke Schmerzen.

Grundsätzlich wird zwischen Bandscheibenvorwölbung und Bandscheibenvorfall unterscheiden. Bei der Bandscheibenwölbung konnte der Gallertkern beispielsweise nach einer Beugung nicht mehr in seine neutrale Position gebracht werden. Das ihn umgebende Fasergewebe bleibt dabei jedoch unbeschädigt und es tritt kein Bandscheibengewebe aus. Von einem Bandscheibenvorfall spricht man, wenn der äußere Faserring Risse aufweist, durch die Bandscheibengewebe austritt.

In ca. 90% der Fälle treten Bandscheibenprobleme in der Lendenwirbelsäule auf, da dieser Teil der Wirbelsäule am meisten Gewicht trägt. Sind bei einer Bandscheibenschädigung Nerven oder Nervenwurzeln betroffen, wird es schmerzhaft. Beim sogenannten Hexenschuss ist beispielsweise der Sitzbein- oder Hüftnerv (Ischiasnerv) betroffen. Er kann Schmerzen vom Gesäß bis in das Bein ausstrahlen.

Was tun bei einer Bandscheibenschädigung?

Jedenfalls sollte ein Arzt aufgesucht werden, entweder der Hausarzt oder ein Orthopäde. Der Umfang und die Dauer der Therapie richten sich wesentlich nach dem Ausmaß der Schmerzen. Manche Bandscheibenschädigungen bessern sich schon nach ein paar Wochen, andere können sehr langwierig sein. Zur Basistherapie gehören in jedem Fall eine zeitweise Entlastung der Wirbelsäule, Physiotherapie und Schmerzmittel (Tabletten und/oder Spritzen). Auch ein Antirheumatikum kann hilfreich sein. Absolute Bettruhe wird heute hingegen eher kritisch gesehen, weil dadurch die Muskulatur weiter erschlafft und somit die Wirbelsäule noch instabiler wird. Zusätzlich können Wärmepflaster und Wärmegeräte helfen, die Schmerzen zu lindern. Nach der Behandlung des akuten Vorfalls sind auf jeden Fall langfristige Maßnahmen erforderlich. Äußerst wichtig sind eine Stärkung der Rückenmuskulatur und ausreichend Bewegung. Ein operativer Eingriff wird erst dann erforderlich, wenn alle diese Maßnahmen mittelfristig nicht zu einer wesentlichen Besserung führen.

Hexenschuss durch Knorpelschaden

Es fing alles mit einem Knorpelschaden an:
Wenn ich nur daran denke, wie es mich zum ersten Mal richtig erwischte mit dem Hexenschuss, läuft es mir auch heute noch eiskalt den geplagten Rücken herunter. Ich war gerade beim Kochen und streckte mich, um ein Gewürz vom Regal zu holen. Es war Muskatnuss, aber das ist ja nebensächlich. Denn was dann passierte, war schlimmer als alles, was ich mir jemals an Schmerzen hätte ausmalen können. Als hätte mir jemand ein Messer, nein, mehrere, in den Rücken gerammt. Ich war augenblicklich total blockiert im ganzen Kreuz, da ging nichts mehr.
Der Versuch, alleine auf meinen zwei Beinen aus der Küche zu kommen, verursachte mir noch mehr Schmerzen. Mit letzter Kraft schaltete ich die Herdplatten aus und schleppte mich mit kleinen Trippelschritten bis ins Schlafzimmer. Ich stand vor meinem niedrigen Futonbett, wusste aber nicht, wie ich in dieses hinein kommen sollte. Einfach hinlegen ging nicht, es tat zu weh. Irgendwie schaffte ich es, indem ich zentimeterweise meine Position veränderte und langsam ins Bett kroch. Liegen tat fast genau so weh wie stehen, und umdrehen konnte ich mich schon gar nicht.
Am Bett habe ich glücklicherweise ein Telefon, und nach zwei langen Stunden holte ich Hilfe. Meine Nachbarin hat einen Hausschlüssel von mir und sie zögerte nicht lange und rief den Notarzt.

Mit dem Notarzt zum nächsten Orthopäden:
Der Krankenwagen brachte mich nur um die Ecke, weil in meiner nächsten Nachbarschaft eine große Chirurgie- und Orthopädiepraxis ist, die Notfälle behandeln muss.
Der Orthopäde untersuchte mich sofort und legte mir dann eine Infusion mit Schmerzmitteln an. Er telefonierte mit dem nächsten Krankenhaus, um einen Termin für ein MRT für mich zu legen, aber seine Diagnose stand schon fest und sie war, wie sich später dann heraus stellte, ein Volltreffer.

Diagnose Osteochondrose:
Ich habe Osteochondrose, also einen Knorpelschaden in der Lendenwirbelsäule. Einen Bandscheibenvorfall schloss er aus. Zu diesem Zeitpunkt war ich gerade mal siebenundvierzig Jahre alt, das ist jetzt sechs Jahre her.
Diese Praxis sollte ich in den nächsten Jahren sehr oft von innen sehen, und daran hat sich leider auch bis heute nicht viel geändert.
Das teure Geld für das MRT hätte er der Krankenkasse ersparen können, denn der Arzt im Krankenhaus wiederholte exakt das, was ich bereits zu meinem Leidwesen gehört hatte. Aber er musste die Untersuchung ja machen lassen, um noch Schlimmeres als den Knorpelschaden ausschließen zu können.

Unbehandelter Knorpelschaden als Ursache:
Wie man zu solch einem Knorpelschaden kommt? Es ist wohl eine Zivilisationskrankheit, falsche Bewegung und Überlastung, falsche Ernährung, aber auch Veranlagung können eine Rolle spielen. Natürlich kann man sich auch bei einem Unfall einen solchen Knorpelschaden zuziehen, aber ich hatte mich nie am Rücken verletzt.
Eine ganze Woche lang bekam ich Infusionen, denn mein Arzt meinte, er möchte mein Schmerzgedächtnis möglichst ausschalten und ich müsse mich dringendst bewegen, sonst würde es noch schlimmer.
Ich musste meine Ernährung umstellen, da mein Säure-Basen-Haushalt durcheinander geraten war und ich nahm jetzt regelmäßig Kalzium.
Dann schickte er mich zum Physiotherapeuten zur Krankengymnastik. Die zehn Behandlungen halfen ein wenig und ich hatte eine Zeitlang zumindest vor schweren Schmerzen Ruhe. Aber immer öfter hatte ich minderschwere Schmerzattacken und fehlte bei der Arbeit.
Letztes Jahr erwischte es mich dann direkt an meinem Arbeitsplatz, als ich gerade einen Stoß Papiere für meinen Chef ordnete. Aber dieses Mal war es anders, auf einmal bekam ich rasende Schmerzen im Bereich der Schulterblätter in der Brustwirbelsäule. Den Kopf konnte ich überhaupt nicht mehr bewegen und meine Arme schmerzten fürchterlich. Mein Chef ist ein netter Kerl, er ließ alles stehen und liegen und fuhr mich zu meinem Arzt.
Als die Arzthelferinnen mein schmerzverzerrtes Gesicht sahen, nahmen sie mich sofort dran. Mein Orthopäde untersuchte kurz meinen Rücken, und da waren sie wieder, die gefürchteten Worte: Knorpelschaden aufgrund von Osteochondrose und eine massive Entzündung der quer gestreiften Muskulatur. Das ganze Spiel ging von vorne los, aber das hier war ein neu diagnostizierter Knorpelschaden, der viel weiter oben lag als der erste.
Ich bin so froh, dass ich einen verständnisvollen Chef habe, aber ich arbeite ja auch schon lange Jahre in seiner Firma. Denn das finde ich richtig schlimm, wenn kranke Menschen, die sowieso schon genügend Probleme haben, auch noch ihren Arbeitsplatz verlieren, weil sie ein wirtschaftlich nicht mehr tragbarer Faktor geworden sind.
Als die Entzündung der Muskulatur nach vier Tagen etwas nachließ, renkte mir mein Orthopäde kurzerhand noch zwei, drei Wirbel zwischen Hals- und Brustwirbelsäule ein. Sie hatten sich durch die permanente Schonhaltung wohl etwas verschoben. Es krachte ein wenig, aber das Einrenken tat mir überhaupt nicht weh.
Vor vier Wochen kam ich von einer Heilkur zurück, die mir meine Krankenkasse bis auf den Eigenanteil von zehn Euro am Tag voll bezahlt hat. Die Anwendungen mit Fango und die Aromabäder haben mir richtig gut getan. Ich nahm auch an der Wassergymnastik teil, aber die Ärztin hatte mir vorher schon gesagt, ich solle die Übungen langsam angehen und das tat ich auch.
Momentan geht es mir ganz gut, aber die latente Angst vor der nächsten Schmerzattacke und einem weiteren Knorpelschaden sitzt mir im wahrsten Sinne des Wortes im Nacken. Auch mache ich mir große Sorgen, dass die Krankheit fortschreitet und ich mich operieren lassen muss. Ich habe jetzt einen Schwerbehindertenausweis beantragt, und das mit dreiundfünfzig Jahren.

Anmerkung der Redaktion:
Ein Knorpelschaden an der Wirbelsäule kann der Orthopäde frühzeitig erkennen. Lassen Sie es nicht so weit kommen.

Wirbelsäule und Bandscheiben

Die Wirbelsäule erfüllt für den Menschen die folgenden Aufgaben:
Sie gibt dem gesamten Körper Halt und Stütze und trägt, von der Körpermitte aus verbunden mit allen Teilen unseres Skeletts, den Körper. Sie ermöglicht durch ihre Form und Konstruktion den aufrechten Gang und die uns gegebene, spezifische Beweglichkeit. Außerdem umschließt und schützt die Wirbelsäule das Rückenmark und die dort befindlichen Nervenstränge.

Die zentrale Funktion und Wichtigkeit der Wirbelsäule ist u.a. daraus ersichtlich, dass Verletzungen, bei denen das Rückenmark betroffen ist, zu einer so schwerwiegenden Folge wie Querschnittslähmung führen kann und natürlich auch, weil jede Form von Beeinträchtigung und Schmerzen im Rücken und an der Wirbelsäule die Beweglichkeit und damit auch unsere Lebensqualität empfindlich mindert.

Die Form der Wirbelsäule
Von der Seite aus betrachtet, weist die Wirbelsäule eine Doppel-S-Form auf. Die Halswirbelsäule biegt sich nach vorn, die Brustwirbelsäule nach hinten, die Lendenwirbelsäule wieder nach vorn und die letzten beiden Abschnitte, das Kreuz- und das Steißbein, die zu einer Einheit verschmolzen sind, dann erneut wieder nach hinten.
Diese Form sorgt für einen federnden, elastischen Gang und bewirkt, dass die Erschütterungen beim Gehen und Laufen gut verteilt und gedämpft werden, sodass das Gehirn auch beim Laufen vor allzu starken Erschütterungen geschützt ist.

Ist aus irgendeinem Grund die Elastizität der Wirbelsäule nicht mehr gegeben, dann fällt das sofort auf, und der Volksmund diagnostiziert: „Der läuft, als hätte er einen Stock verschluckt.“; aber der betroffene Mensch leidet.

Der Aufbau der Wirbelsäule und der Wirbel
Die Wirbelsäule ist in fünf Abschnitte unterteilt. Die Halswirbelsäule mit sieben Wirbeln, die Brustwirbelsäule mit 12 und die Lendenwirbelsäule mit insgesamt 5 Wirbeln, das Kreuzbein mit fünf Wirbeln und das Steißbein mit vier bis fünf Wirbelrudimenten bilden das Grundgerüst. Die Wirbel des Kreuzbeines und die Rudimente des Steißbeines sind miteinander verwachsen und somit unbeweglich, während die übrigen 24 Wirbel frei sind.

Die Wirbeln bestehen, mit Ausnahme des ersten Halswirbels (Atlas) aus einem Wirbelkörper und einem Wirbelbogen, zwei seitlichen Querfortsätzen und dem nach hinten gehenden Dornfortsatz.
Die Wirbelbögen bilden den Wirbelkanal, der das Rückenmark und teile des zentralen Nervensystems umschließen und schützen. Die Vorsprünge dienen als Ansatzstellen für Rippen, Muskeln und Bänder.

Die einzelnen Wirbel werden durch 23 Bandscheiben, sechs Bänder über die gesamte Wirbelsäule hinweg und die Rückenmuskulatur verbunden und stabilisiert. Die Wirbelbogengelenke bestimmen die Bewegungsrichtung.

Die Bandscheiben bestehen aus einem festen, äußeren Ring und einem weichen Kern. Sie dämpfen Stöße und Erschütterungen ab und sorgen für die Beweglichkeit, aber auch, gemeinsam mit den Muskeln und Bändern, für die Grenzen der Beweglichkeit.
Eine Funktionseinheit der Wirbelsäule umfasst je zwei Wirbel, die dazwischenliegende Bandscheibe, das Wirbelbogengelenk und die umliegenden Muskeln und Bänder, die im perfekten Zusammenspiel arbeiten, solange sie unverletzt und gesund sind.

Erkrankungen und Schäden im Bereich der Wirbelsäule
Im Bereich der Wirbelsäule gibt es, wie in anderen Körperbereichen auch, die unterschiedlichsten Erkrankungen, angefangen bei Rückenmarksverletzungen und folgender Querschnittslähmung durch einen Unfall, über chronische und fortschreitende Erkrankungen wie Morbus Bechterew, rheumatische Erkrankungen, bis hin zu nicht weiter dingfest zu machenden häufigen Rückenschmerzen der alltäglichen Art.

Im Folgenden meine Erfahrungen mit Rückenschmerzen und Wirbelsäulenproblemen
Wie unangenehm und schmerzhaft es sein kann, wenn eine Störung oder Krankheit eintritt, und sei es auch nur durch eine momentane Überlastung, der die Nerven, welche die Wirbelsäule versorgen, betrifft, habe ich als junge Frau erfahren.
Eine falsche Bewegung (Dehnung) beim Sport und es war so weit: Ich konnte mich nicht mehr aus meiner gebeugten Haltung erheben, nicht mehr richtig bewegen und hatte von jetzt auf gleich starke Schmerzen, sodass ich den Arzt aufsuchen musste. Es war ein Hexenschuss.
Beim Arzt habe ich damals Spritzen gegen die Schmerzen bekommen, durch den Hexenschuss war ich gezwungen, Ruhe einzuhalten und in der Folge wurden mir Fangopackungen, die durch ihre angenehme Wärme wirkten, verordnet. Nach ein paar Tagen waren die Beschwerden abgeklungen.
Ein Arztbesuch ist allerdings immer anzuraten, da auch ein Hexenschuss chronisch werden kann.

Die häufigste Erkrankung der Wirbelsäule: Bandscheibenvorfall
Viel später habe ich miterlebt, dass eine Kollegin einen Bandscheibenvorfall hatte, durch den sie für lange Zeit arbeitsunfähig wurde. Ein Bandscheibenvorfall bedeutet, dass die Bandscheibe oder Teile der Bandscheibe in den Rückenmarkskanal eindringen und dort auf die Nerven drücken. Das kann sehr schmerzhaft sein und sowohl in Arme und Beine ausstrahlen, als auch mit Lähmungserscheinungen und Taubheitsgefühlen einhergehen. Bei der Kollegin halfen weder Schmerzmittel noch andere konservative Maßnahmen, wie Physiotherapie oder Chiropraktik und auch keine Schonung, keine Packungen oder Bäder. Sie musste operiert werden und es dauerte bald ein Jahr, bis sie wieder arbeitsfähig war. Die Operationen werden heute minimal-invasiv, zum Beispiel mithilfe der Lasertechnik durchgeführt.
Nach der Operation hat sich die Kollegin dann wieder erholt und konnte auch wieder arbeiten.

Ursachen
Die Ursachen für Erkrankungen und Schäden am Rücken sind, neben Unfällen und erblicher Vorbelastung heute häufig Bewegungsmangel, einseitige Belastungen und Muskelschwäche. Bei den drei letztgenannten Ursachen ist es gut möglich, zur Vorbeugung und um Schlimmeres zu verhüten, etwas zu tun.

Vorbeugung
Ich bin inzwischen keine junge Frau mehr, und ich habe schon öfter Rückenschmerzen im Lendenwirbelbereich gehabt, vor allem bei Stress und nach Tagen vor dem PC, also bei Bewegungsmangel. Seit letztem Jahr weiß ich, warum. Auch bei mir ist eine Bandscheibe geschädigt, die Unterste. Allerdings ist es noch nicht so schlimm, dass spezifische Maßnahmen nötig wären.

Meine Ärztin empfahl mir, was auch allgemein zur Vorbeugung empfohlen wird: Muskelaufbau durch orthopädische Sportarten, wie Schwimmen, Tanzen, Laufen, Radfahren oder Reiten, wobei ich mich für das Radfahren entschieden habe.
Ergonomie am Arbeitsplatz, das heißt ein Stuhl, der orthopädischen Ansprüchen gerecht wird und Arbeitsflächen in passender Höhe, kombiniert mit einem Wechsel in den Bewegungsabläufen (Gehen, Stehen, Sitzen, Laufen) trägt sehr viel zur bleibenden Rückengesundheit bei.

Nicht jeder Rückenschmerz muss gleich Schlimmes befürchten lassen, aber wenn doch einmal anhaltende oder häufige Probleme oder Schmerzen auftauchen, dann sollte Ihr Arzt der erste Ansprechpartner und Ratgeber sein.