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Karpaltunnelsyndrom – was ist das und was kann man tun?

Es begann mit einem harmlosen Kribbeln in den Fingern der rechten Hand. Immer wieder schliefen Daumen, Zeige- und Mittelfinger ein – zunächst nur kurz und meist nachts, später auch lang anhaltend und tagsüber. Da ich Rechtshänderin bin, wurde diese Taubheit in den Fingern schnell nicht nur lästig (und teils schmerzhaft), sondern auch hinderlich: beim Autofahren, bei der Haushaltsarbeit und vor allem bei meiner täglichen Arbeit am Computer. Schmerzen im Handballen und Probleme, Dinge sicher zu greifen, häuften sich.

Eine schnell im Internet recherchierte Eigendiagnose ergab den Verdacht auf ein Karpaltunnelsyndrom, da ich als Frau und als ständige Computernutzerin geradezu prädestiniert zu sein schien. Der Karpaltunnel ist eine Röhre, die auf der Handinnenflächenseite vom Unterarm zur Hand führt. Begrenzt wird diese Röhre einerseits von den Knochen der Handwurzel, andererseits von einem Band. Durch diesen Tunnel führen nicht nur diverse Beugesehnen der Hand, sondern auch der sogenannte Nervus medianus. Wenn der Karpaltunnel sich nun verengt, wird der Nervus medianus durch den entstehenden Druck gereizt und nach einiger Zeit auch geschädigt. Da dieser Nerv für die Bewegungen von Daumen, Zeige- und Mittelfinger und auch für die Weiterleitung von Empfindungen dieser Finger ans Gehirn zuständig ist, führen Schädigungen am Nerv zu Bewegungs- und Empfindungseinschränkungen. Häufig liegt schon eine anatomisch bedingte Enge des Karpaltunnels bei den Betroffenen vor – als Auslöser für das Karpaltunnelsyndrom kommen dann noch einige Faktoren in Frage. Es sind deutlich mehr Frauen als Männer betroffen, hinzu kommen beispielsweise eine ständige mechanische Überlastung der Handgelenke durch intensive Computerarbeit oder auch Vorerkrankungen wie Diabetes oder Störungen der Schilddrüsenfunktion. Leichte Fälle des Karpaltunnelsyndroms können konservativ (zum Beispiel durch das Tragen einer Schiene) behandelt werden, in schwereren Fällen muss die Verengung operativ behoben werden, um dauerhafte Schädigungen des Nervus medianus zu vermeiden.

Mit dieser Annahme ging ich also zu meinem Hausarzt. Leider geriet ich an dessen Urlaubsvertretung, die mir vehement erklärte, ich habe kein Karpaltunnelsyndrom, sondern einen Bandscheibenvorfall im Bereich der Halswirbelsäule, der zu den Missempfindungen im Arm führe. Eine daraufhin durchgeführte Kernspintomografie erwies jedoch schnell das Gegenteil und war somit letztlich überflüssig (hatte ich doch, wie ich mittlerweile weiß, die klassischen Symptome eines Karpaltunnelsyndroms, da sich die Störungen auf Daumen, Zeige- und Mittelfinger beschränkten). Diagnostiziert wurde das Syndrom dann schließlich von einem Neurologen, der mittels Strom die Nervenleitfähigkeit in beiden Händen testete. Es ergab sich, dass auch die Nervenleitfähigkeit meiner linken Hand bereits eingeschränkt war, was sich aber noch nicht in spürbaren Symptomen geäußert hatte.

Da die Beeinträchtigung meiner rechten Hand bereits relativ weit fortgeschritten war, entschieden sich die Ärzte zu einer chirurgischen Behandlung. Bei dieser Operation wird das den Karpaltunnel begrenzende Band durchtrennt. So wird die Belastung auf den Nervus medianus aufgehoben und der Nerv erholt sich für gewöhnlich binnen kurzer Zeit. Vornehmen sollten diesen Eingriff aufgrund der Empfindlichkeit des Operationsgebietes nur erfahrene Handchirurgen.

Vorgenommen wurde die Operation in einer Uniklinik. Trotz Vollnarkose konnte ich noch am gleichen Tag das Krankenhaus wieder verlassen. Die Hand wurde einige Tage ruhig gestellt, was für mich als Rechtshänderin zwar lästig, aber gut zu bewältigen war. Die Nachsorge wurde zunächst in der Uniklinik, später von meinem Hausarzt übernommen und verlief komplikationslos. In der Tat waren die Beschwerden direkt nach der OP verschwunden und sind seither auch nie wieder aufgetreten. Da der OP-Schnitt in einer natürlichen Falte des Handgelenks gemacht wird, erinnert nur noch eine fast unsichtbare Narbe an den Eingriff. Obwohl ich weiß, dass die Narbe da ist, muss ich schon sehr genau hinsehen, um sie zu entdecken.

Mittlerweile nutze ich eine ergonomische Tastatur und ein Mauspad mit spezieller Handballenauflage, was die Belastung der Handgelenke bei der Bildschirmarbeit enorm verringert. Durch die ergonomische Tastatur winkelt man die Hände seitlich weniger ab; die Handballenauflage sorgt dafür, dass die Handgelenke gerade aufliegen und nicht abgeknickt sind. Die – deutlich geringer ausgeprägten – Beschwerden an meiner linken Hand verschwanden so von allein nach einiger Zeit, eine Operation war hier nicht mehr nötig.

Natürlich sind dies nur meine ganz persönlichen Erlebnisse und Erfahrungen – es ist wichtig, dass jeder Betroffene selbst fachkundigen Rat bei seinem Arzt einholt. Das Karpaltunnelsyndrom muss eindeutig diagnostiziert und die Schwere der Schädigung festgestellt werden, um die notwendige Behandlung einleiten zu können. Jeder Fall ist anders gelagert, dieser Beitrag soll keine allgemeingültige Beratung darstellen!

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