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Therapie und Vorbeugung bei Hexenschuss – ein ganz persönlicher Erfahrungsbericht

Bandscheibenvorfall und Hexenschuss sind Erfahrungen, auf die jeder gerne verzichten würde. Trotzdem ist die Chance leider groß, zumindest einmal im Leben damit konfrontiert zu werden. Die Gründe dafür sind mannigfaltig: Zu wenig Bewegung, zu viel und falsches Sitzen, eine übermäßige Belastung des Rückens und Übergewicht sind nur einige davon.
Ein Bandscheibenvorfall oder ein Hexenschuss kann übrigens entgegen der landläufigen Meinung im gesamten Bereich der Wirbelsäule auftreten und nicht nur im „Kreuz“, womit üblicherweise der Bereich zwischen unterem Becken und Taille gemeint ist. Mich selbst hat der Hexenschuss in der Brustwirbelsäule erwischt und dieses zum Glück einmalige Erlebnis war der Auslöser für ein sehr viel bewussteres und gesünderes Leben. Aber schön der Reihe nach.

Das Abheben eines Telefonhörers zählte für mich zu den harmlosesten Bewegungen im Leben, über die ich mir auch nie Gedanken gemacht hatte. Nun ja, ich wurde eines Besseren belehrt.
Als das Telefon läutete, stand ich gerade seitlich schräg davor. Folgerichtig drehte ich den Oberkörper leicht nach links und griff mit der rechten Hand, also diagonal, zum Hörer. Der Schmerz war unglaublich. Der gesamte linke Brustbereich war ein einziger stechender Schmerz. Herzinfarkt war das erste Wort, das mir durch den Sinn schoss. Ich stand wie gelähmt, bis mir allmählich dämmerte, wie unwahrscheinlich ein Infarkt war und um wie viel wahrscheinlicher ein „Verreißen“. Das beruhigte zwar mich, aber nicht den Schmerz. Ich konnte nur flach atmen, weil jedes tiefere Luftholen neue Dolche durch meine Brust trieb.
In Schmerzsituationen gab es für mich nur einen sicheren Ort: mein Bett. Ein großer Fehler, aber das wusste ich damals nicht.
Der Ratschlag eines Experten hätte wohl folgendermaßen gelautet: Wenn schon hinlegen, dann auf einen harten Untergrund und auch nur, bis man sich einigermaßen gefangen hat. Besser wäre es, in Bewegung zu bleiben, natürlich vorsichtig, und eine Schmerztablette zu nehmen.

Egal, ich quälte mich ins Bett, und weil es ohnehin Abend war, blieb ich gleich dort. Die Nacht war grausam. An Schlaf war nicht zu denken, ich konnte nur dösen. Als ich am Morgen aufstehen wollte, war ich bewegungsunfähig. Unter Aufbietung meiner ganzen Willenskraft schaffte ich es dann doch, mich irgendwie auf die Bettkante zu setzen. Das dauerte sicher 15 Minuten. Ich merkte, dass ich den linken Arm nicht höher als zwei Zentimeter heben konnte. Mein erster Weg führte mich zum Telefon. Ich rief den Orthopäden an und bekam auch gleich einen Termin. An Auto fahren war natürlich nicht zu denken, deshalb fuhr ich mit dem Taxi zur Sprechstunde. Im Wartezimmer saß eine Frau im Rollstuhl, der dasselbe passiert war wie mir, nur hatte sie sich die Lendenwirbelsäule verrissen und sie konnte nicht mehr gehen.

Bei der Untersuchung stellte sich heraus, dass zwei Wirbel meiner Brustwirbelsäule blockiert waren. Die Muskulatur im Rücken war über das Schulterblatt bis zum Nacken hart wie Beton. Der Arzt verordnete mir Schmerzmittel und eine Strombehandlung, die ich ambulant in einem Zweitagesrhythmus durchführen konnte. Schon nach der zweiten Behandlung ging es mir wesentlich besser und nach der vierten Behandlung war ich komplett schmerzfrei, natürlich ohne Schmerzmittel. Nach Abschluss der Stromtherapie wurde ich dann an eine Physiotherapeutin überwiesen.

Mit ihrer Hilfe konnte ich den Grundstein für ein Leben ohne Rückenschmerzen legen.
Zuerst löste sie die restlichen Muskelverhärtungen mit einer speziellen Massage und dann zeigte sie mir jede Menge Übungen zur Dehnung und Stärkung der verschiedenen Muskelgruppen. Dazu zählten nicht nur die Rückenmuskeln, sondern auch die Bauch- und Brustmuskeln und die Becken- und Gesäßmuskeln. Sie korrigierte falsche Bewegungsabläufe und gemeinsam erarbeiteten wir Übungen, die sich einfach in den Alltag integrieren ließen.

Viele Jahre sind seither vergangen. Natürlich verblasst der Schrecken über den Hexenschuss mit der Zeit, aber – und das ist wichtig – ich habe nie aufgehört, die Übungen zu machen. Wenn ich gezwungen bin, lange zu sitzen oder ungewohnte Bewegungen zu machen, folgt nachher das Dehnen. Die angenehme Wärme, die dann meine Muskeln durchströmt, bestätigt mir jedes Mal die Richtigkeit dieses Vorgehens. Die Kräftigungsübungen sind mir in Fleisch und Blut übergangen und ich führe sie zwei- oder dreimal wöchentlich durch.

So einfach kann Vorbeugung sein.

Hexenschuss: wenn es in der Bandscheibe klemmt

Der im Volksmund als Hexenschuss bezeichnete akute Ischias oder auch die akute Lumbago ist ein Leiden, das Menschen unterschiedlichster Altersklassen befallen kann. Als typische Symptome sind ein plötzlicher stechender Schmerz und unter Umständen auch ein Kribbeln in den Beinen zu nennen. Der Hexenschuss kann durch einseitige Belastung oder durch eine falsche Bewegung, aber auch durch einen Unfall oder eine Unterkühlung auftreten. Medizinisch gesehen tritt der Ischiasnerv aus der Bandscheibe aus und wird durch die verspannten Muskeln und die darauf drückende Bandscheibe gequetscht. Daraus folgend kann der Hexenschuss natürlich unterschiedliche Intensitätsgrade aufweisen. In jedem Fall beginnt der Hexenschuss mit dem, was man sich unter dem Wort schon vorstellen kann: Ein plötzlicher stechender Schmerz mit daraus resultierender Bewegungseinschränkung im unteren Wirbelsäulenbereich. Beim leichten Hexenschuss beschränkt sich das Krankheitsbild auch auf diese Phänomene. Bei einem schwereren Krankheitsverlauf tritt ein Kribbeln in den Beinen und im unteren Rückenbereich auf. Wirklich ernst wird es, wenn das Kribbeln eher zum Stechen wird und auch beim Wasserlassen oder beim Stuhlgang auftritt. Spätestens dann wird es Zeit, einen Arzt, also einen Orthopäden aufzusuchen.

Die fachliche Therapie besteht oftmals in der Gabe von Schmerzmitteln, um überhaupt erstmal eine Beweglichkeit wiederherzustellen. Im weiteren Verlauf muss analysiert werden, auf welcher Basis der Hexenschuss auftrat. Das kann eine einseitige Fehlbelastung sein, weil man im Büro arbeitet und die ganze Zeit falsch sitzt. Auch mangelhafte Bewegung kann das Entstehen eines Hexenschusses begünstigen. In diesem Fall ist Krankengymnastik der Schlüssel der Behandlung. Ist der Patient erst einmal wieder schmerzfrei oder zumindest schmerzärmer, kann er mit vorsichtigen Bewegungen beginnen. Diese zielen darauf ab, die paravertebrale, also die seitlich der Wirbelsäule gelegene Muskulatur aufzubauen. Ist diese Muskulatur gestärkt, hat der Ischiasnerv auch nicht die Möglichkeit, aus der Bandscheibe auszutreten, weil er durch die Muskulatur an der Stelle gehalten wird, an der er sein sollte.
Hat der Patient sich verkühlt oder setzt er sich dauerhaft Unterkühlungen des unteren Rückens aus, sollte er natürlich sein diesbezügliches Verhalten verändern. Auch hier wird darauf geachtet, dass er zunächst von seinen Schmerzen befreit wird. Unterstützend wird er Wärmeanwendungen wie Fangopackungen erhalten.
Massagen sind bei jeder Art von Rückenschmerz und Hexenschuss angenehm. Die verspannte Muskulatur wird gelockert. So können auch wieder Bewegungen durchgeführt werden, die ihrerseits wieder die Muskulatur stärken.

Natürlich setzt eine fachgerechte Behandlung in der Regel immer einen Arztbesuch voraus. Nur ein entsprechend ausgebildeter Arzt, in der Regel der Orthopäde, kann anhand unterschiedlicher Diagnoseverfahren ermitteln, was die tatsächliche Ursache des Hexenschusses war. Denn die landläufige Meinung, man habe lediglich etwas zu schwer gehoben und nur deshalb sei der Hexenschuss aufgetreten, ist oftmals nur die halbe Wahrheit. Oft sind es vorhergehende muskuläre Schwächen, die die Symptome überhaupt erst möglich machten. In diesem Fall kann zwar Schonung die Beschwerden lindern. Langfristig kann es aber leicht wieder zu Schmerzen kommen, weil die Ursache, nämlich die Muskelschwäche, nicht beseitigt wurde. Bewegt sich der Mensch also weiter so mangelhaft oder belastet er die Wirbelsäule weiterhin falsch und einseitig, kommt es immer schneller zu Beschwerden.

Handelt es sich lediglich um einen leichten Hexenschuss, kann man aber auch mit Hausmitteln schon ein ganzes Stück weiter kommen. Kirschkernkissen und Dinkelkissen erfüllen mehrere Zwecke. Einerseits kann man sie auf eine individuell gewünschte Hitze erwärmen. Andererseits massieren sie durch ihre Füllung etwas, wenn man sich während des Einsatzes bewegt. Man kann sich auch selbst damit massieren.

Auch ein Rotlicht kann Verspannungen lösen und damit den Schmerz lindern. Gerade über Nacht kann man gute Erfolge erzielen, wenn man zunächst Rotlicht für eine Viertelstunden wirken lässt, um dann den verspannten Bereich mit Wärmesalben einzureiben. Tigerbalm oder andere Wärmesalben können leichte Beschwerden sogar über Nacht verschwinden lassen.
Tagsüber kann man Wärmepflaster anwenden. Auf diese Weise wird recht schnell die Beweglichkeit wieder hergestellt. Diese Wärmepflaster reagieren mit der Haut und halten dann für etwa acht Stunden die beklebte Stelle warm. Dank moderner Verarbeitung können diese auch im Berufsalltag eingesetzt werden, ohne dass sie großartig auffallen.

Auch der Klassiker, die Wärmflasche, kann Besserung verschaffen. Diese kann man bei einem entsprechenden Arbeitsumfeld sogar tagsüber anwenden. Unauffällig in der Beuge des Bürostuhls abgelegt, kann man den Rücken so immer wieder warmhalten.

Gerade während der akuten Schmerzen sollte man zusätzlich darauf achten, dass der Rücken durch Kleidung warmgehalten wird.

Langfristig wird aber nur ein entsprechendes Training und ausreichende Bewegung dafür sorgen, dass derartige Beschwerden erst gar nicht wieder auftreten. Sobald also die Schmerzen nachlassen, sollte man schnellstens mit Sport oder anderer Muskelstärkung anfangen. Das kann im ersten Schritt Spazierengehen sein. Dabei sollte man natürlich den Rücken bewegen und nicht komplett steif laufen. Einige lockernde Bewegungen fordern zum ersten Mal die Rückenmuskeln wieder. Auch spezielle Übungen, die die Rückenmuskeln stärken, können hilfreich sein.
Natürlich gibt es auch besonders förderliche Sportarten. Schwimmen beispielsweise kräftigt ganz unterschiedliche Muskelregionen. Hier sollte man natürlich darauf achten, dass man sich nicht wieder Verkühlungen zuzieht. Entweder achtet man darauf, dass man eher im warmen Wasser schwimmt. Dann besteht gar keine Gefahr. Oder man sorgt nach dem Schwimmen im kalten Wasser dafür, dass man sich entsprechend wieder aufwärmt. Krafttraining im Fitnessstudio kann ebenfalls hilfreich sein. Hier sollte man sich beraten lassen. Nicht jede Übung ist für Anfänger geeignet und falscher Ehrgeiz kann eher schädlich sein. Man kann einfach aufbauend arbeiten. Aber nicht nur extreme Sportarten sind hilfreich. Auch leichte Yoga Übungen oder Pilates stärken die Muskulatur und können beim Verhindern eines Hexenschusses hilfreich sein.

Langfristig sollten gerade Büroangestellte darauf achten, dass sie ihre Wirbelsäule nicht einseitig belasten. Regelmäßige Positionswechsel sind hier der erste Schritt in die richtige Richtung. Aber auch ein entsprechend geformter Stuhl ist eine große Hilfe. Hier sollte in erster Linie der Lumbalbereich, also der untere Rücken unterstützt werden. Aber auch der Nacken sollte nicht vernachlässigt werden. Auch sonst kann man durch eine entsprechende Einrichtung des Arbeitsplatzes eine starke Verbesserung erreichen. Dazu zählt die Sitzhöhe, die Tischhöhe und die Höhe des Bildschirms ebenso wie die Einrichtung des sonstigen Platzes.

In jedem Fall gilt beim Anwenden von Hausmitteln, dass man sich selbst genau beobachten sollte. Werden die Beschwerden gelindert, kann man mit der selbst verordneten Therapie weitermachen. Tritt keine oder keine ausreichende Linderung ein, muss immer ein Arzt zu Rate gezogen werden.

Hexenschuss durch Knorpelschaden

Es fing alles mit einem Knorpelschaden an:
Wenn ich nur daran denke, wie es mich zum ersten Mal richtig erwischte mit dem Hexenschuss, läuft es mir auch heute noch eiskalt den geplagten Rücken herunter. Ich war gerade beim Kochen und streckte mich, um ein Gewürz vom Regal zu holen. Es war Muskatnuss, aber das ist ja nebensächlich. Denn was dann passierte, war schlimmer als alles, was ich mir jemals an Schmerzen hätte ausmalen können. Als hätte mir jemand ein Messer, nein, mehrere, in den Rücken gerammt. Ich war augenblicklich total blockiert im ganzen Kreuz, da ging nichts mehr.
Der Versuch, alleine auf meinen zwei Beinen aus der Küche zu kommen, verursachte mir noch mehr Schmerzen. Mit letzter Kraft schaltete ich die Herdplatten aus und schleppte mich mit kleinen Trippelschritten bis ins Schlafzimmer. Ich stand vor meinem niedrigen Futonbett, wusste aber nicht, wie ich in dieses hinein kommen sollte. Einfach hinlegen ging nicht, es tat zu weh. Irgendwie schaffte ich es, indem ich zentimeterweise meine Position veränderte und langsam ins Bett kroch. Liegen tat fast genau so weh wie stehen, und umdrehen konnte ich mich schon gar nicht.
Am Bett habe ich glücklicherweise ein Telefon, und nach zwei langen Stunden holte ich Hilfe. Meine Nachbarin hat einen Hausschlüssel von mir und sie zögerte nicht lange und rief den Notarzt.

Mit dem Notarzt zum nächsten Orthopäden:
Der Krankenwagen brachte mich nur um die Ecke, weil in meiner nächsten Nachbarschaft eine große Chirurgie- und Orthopädiepraxis ist, die Notfälle behandeln muss.
Der Orthopäde untersuchte mich sofort und legte mir dann eine Infusion mit Schmerzmitteln an. Er telefonierte mit dem nächsten Krankenhaus, um einen Termin für ein MRT für mich zu legen, aber seine Diagnose stand schon fest und sie war, wie sich später dann heraus stellte, ein Volltreffer.

Diagnose Osteochondrose:
Ich habe Osteochondrose, also einen Knorpelschaden in der Lendenwirbelsäule. Einen Bandscheibenvorfall schloss er aus. Zu diesem Zeitpunkt war ich gerade mal siebenundvierzig Jahre alt, das ist jetzt sechs Jahre her.
Diese Praxis sollte ich in den nächsten Jahren sehr oft von innen sehen, und daran hat sich leider auch bis heute nicht viel geändert.
Das teure Geld für das MRT hätte er der Krankenkasse ersparen können, denn der Arzt im Krankenhaus wiederholte exakt das, was ich bereits zu meinem Leidwesen gehört hatte. Aber er musste die Untersuchung ja machen lassen, um noch Schlimmeres als den Knorpelschaden ausschließen zu können.

Unbehandelter Knorpelschaden als Ursache:
Wie man zu solch einem Knorpelschaden kommt? Es ist wohl eine Zivilisationskrankheit, falsche Bewegung und Überlastung, falsche Ernährung, aber auch Veranlagung können eine Rolle spielen. Natürlich kann man sich auch bei einem Unfall einen solchen Knorpelschaden zuziehen, aber ich hatte mich nie am Rücken verletzt.
Eine ganze Woche lang bekam ich Infusionen, denn mein Arzt meinte, er möchte mein Schmerzgedächtnis möglichst ausschalten und ich müsse mich dringendst bewegen, sonst würde es noch schlimmer.
Ich musste meine Ernährung umstellen, da mein Säure-Basen-Haushalt durcheinander geraten war und ich nahm jetzt regelmäßig Kalzium.
Dann schickte er mich zum Physiotherapeuten zur Krankengymnastik. Die zehn Behandlungen halfen ein wenig und ich hatte eine Zeitlang zumindest vor schweren Schmerzen Ruhe. Aber immer öfter hatte ich minderschwere Schmerzattacken und fehlte bei der Arbeit.
Letztes Jahr erwischte es mich dann direkt an meinem Arbeitsplatz, als ich gerade einen Stoß Papiere für meinen Chef ordnete. Aber dieses Mal war es anders, auf einmal bekam ich rasende Schmerzen im Bereich der Schulterblätter in der Brustwirbelsäule. Den Kopf konnte ich überhaupt nicht mehr bewegen und meine Arme schmerzten fürchterlich. Mein Chef ist ein netter Kerl, er ließ alles stehen und liegen und fuhr mich zu meinem Arzt.
Als die Arzthelferinnen mein schmerzverzerrtes Gesicht sahen, nahmen sie mich sofort dran. Mein Orthopäde untersuchte kurz meinen Rücken, und da waren sie wieder, die gefürchteten Worte: Knorpelschaden aufgrund von Osteochondrose und eine massive Entzündung der quer gestreiften Muskulatur. Das ganze Spiel ging von vorne los, aber das hier war ein neu diagnostizierter Knorpelschaden, der viel weiter oben lag als der erste.
Ich bin so froh, dass ich einen verständnisvollen Chef habe, aber ich arbeite ja auch schon lange Jahre in seiner Firma. Denn das finde ich richtig schlimm, wenn kranke Menschen, die sowieso schon genügend Probleme haben, auch noch ihren Arbeitsplatz verlieren, weil sie ein wirtschaftlich nicht mehr tragbarer Faktor geworden sind.
Als die Entzündung der Muskulatur nach vier Tagen etwas nachließ, renkte mir mein Orthopäde kurzerhand noch zwei, drei Wirbel zwischen Hals- und Brustwirbelsäule ein. Sie hatten sich durch die permanente Schonhaltung wohl etwas verschoben. Es krachte ein wenig, aber das Einrenken tat mir überhaupt nicht weh.
Vor vier Wochen kam ich von einer Heilkur zurück, die mir meine Krankenkasse bis auf den Eigenanteil von zehn Euro am Tag voll bezahlt hat. Die Anwendungen mit Fango und die Aromabäder haben mir richtig gut getan. Ich nahm auch an der Wassergymnastik teil, aber die Ärztin hatte mir vorher schon gesagt, ich solle die Übungen langsam angehen und das tat ich auch.
Momentan geht es mir ganz gut, aber die latente Angst vor der nächsten Schmerzattacke und einem weiteren Knorpelschaden sitzt mir im wahrsten Sinne des Wortes im Nacken. Auch mache ich mir große Sorgen, dass die Krankheit fortschreitet und ich mich operieren lassen muss. Ich habe jetzt einen Schwerbehindertenausweis beantragt, und das mit dreiundfünfzig Jahren.

Anmerkung der Redaktion:
Ein Knorpelschaden an der Wirbelsäule kann der Orthopäde frühzeitig erkennen. Lassen Sie es nicht so weit kommen.

Bandscheibe: Mein erster Hexenschuss

Unschöne Dinge geschehen bei mir immer montags. Nach einem tollen Wochenende mit schönem Wetter und reichlich erledigter Gartenarbeit sollte es einmal mehr der Montag sein, der meine gute Laune ruinierte. Nichts ahnend bin ich von meiner morgendlichen Kindergarten- und Hunderunde wieder zu Hause angekommen und hatte den guten Vorsatz, mein Haus ordentlich auf Vordermann zu bringen. Ich war gerade dabei, mit dem Staubsauger die unter dem Couchtisch verloren gegangenen Gummibärchen aufzusaugen, da fuhr plötzlich ein fürchterlicher Schmerz durch meinen ganzen Körper.

Im ersten Moment fühlte ich mich, wie vom Blitzschlag getroffen und versuchte, mich auf den Sessel zu setzen. Dies war kaum möglich, da der komplette untere Rücken derart weh tat, dass mir die Luft wegblieb. Ratlos, wie ich war, rief ich zunächst meinen Mann an und schilderte ihm meine Beschwerden. Mein Mann hatte schon des Öfteren Rückenschmerzen und meinte zu mir, dass ich wohl „nur“ einen Hexenschuss hätte und mich hinlegen sollte. Außerdem würden ihm immer Wärmeflaschen helfen, wenn er etwas mit dem Rücken hat.

Bewegen konnte und wollte ich mich mit diesen Schmerzen sowieso nicht und legte mich deshalb vorsichtig auf die Couch. Nach einiger Zeit fand ich heraus, dass die Schmerzen etwas nachließen, wenn ich meine Beine hochlagerte. Also schob ich alles, was ich an Kissen hatte, zu einem Berg zusammen und legte meine Beine darauf. Nun war es doch erst morgens, ich hatte viel zu tun und konnte doch nicht bis zum Feierabend meines Mannes einfach auf der Couch herumliegen! Ich beschloss, mir eine Wärmeflasche in den unteren Rücken zu legen und eine Schmerztablette einzunehmen.

Die Wirkung der Tablette setzte nach etwa einer halben Stunde ein. Durch die Hitze der Wärmeflasche bin ich sogar ehrlich gesagt etwa für eine Stunde in meiner lustigen Liegeposition auf der Couch eingeschlafen. Als ich wieder wach wurde, dachte ich gar nicht mehr an meinen schmerzenden Rücken. Erst bei dem Versuch aufzustehen, wurde ich mir dessen wieder bewusst. Er war noch da, der Hexenschuss.

Irgendwie schaffte ich es dennoch durch den Tag. Mein Mann cremte mir am Abend den Rücken mit einer schmerzstillenden und entzündungshemmenden Salbe ein und schickte mich ins Bett. Schlafen konnte ich jedoch wiederum nur mit hochgelagerten Beinen. Am nächsten Morgen hatte ich die Hoffnung, dass diese fiesen Rückenschmerzen endlich vorbei seien, wurde jedoch eines Besseren belehrt. Nein, er war immer noch da, der Hexenschuss.

Da ich Schmerzmittel schlecht vertrage und keine Lust mehr auf meine Couch hatte, rief ich bei meinem Hausarzt an. Nach Erörterung meiner Rückenschmerzen verwies mich die Arzthelferin direkt an einen Orthopäden. Für einen Termin bei meinem Orthopäden musste ich in der Vergangenheit immer lange warten. Daher war ich doch sehr verwundert, als die orthopädische Praxis mir vorschlug, einfach vorbei zu kommen und etwas Wartezeit mit zu bringen.

Nach etwa einer Stunde stand ich mit meinen Rückenschmerzen bei meinem Orthopäden. Im Wartezimmer Platz nehmen konnte ich nicht, da Sitzen im Moment irgendwie gar nicht ging. Also lief ich in der Praxis auf und ab, bis ich endlich in das Behandlungszimmer geführt wurde. Das Auf- und Ablaufen war im Übrigen gar nicht so schlecht. Während der Bewegung hielten sich die Schmerzen in Grenzen.

Nach meiner Schilderung untersuchte mein Orthopäde meinen Rücken. Wie sollte es auch anders sein, „traf“ der Gute bei der Untersuchung sofort die Punkte in meinem Lendenwirbelsäulenbereich, die extremen Schmerz auslösten. Zur Vorsicht ordnete mein Arzt eine Röntgenuntersuchung an, war sich der Diagnose Lumbago„, also Hexenschuss, aber schon ziemlich sicher.

Nach dem Röntgen wurde ich nochmals in das Behandlungszimmer gebeten. Mein Orthopäde meinte zu mir, dass er anhand der Röntgenbilder einen Bandscheibenvorfall ausschließen könne und ich wirklich „nur“ unter einem Hexenschuss leide. Mir jedenfalls hat der Hexenschuss gereicht und ich wollte ihn endlich loswerden.

Der Orthopäde erklärte mir, dass eine ungewohnte oder schnelle Bewegung den Hexenschuss auslösen kann und diese Erkrankung nicht nur ungelenkige oder ältere Personen trifft. Dann musste ich mich auf die Behandlungsliege legen. Mein Arzt nahm meine Beine in die Hand und verdrehte meinen Körper in die unmöglichsten Positionen. Dann machte es „Plopp“! Mein Orthopäde, der gleichzeitig auch Chiropraktiker und Sportmediziner ist, hatte meinen Rücken wieder eingerenkt und meinte, ich könnte wieder aufstehen.

Ich war sehr erschrocken, bemerkte jedoch beim Aufstehen schon eine deutliche Besserung. Ganz weg war der Schmerz jedoch noch nicht. Mein Arzt gab mir deshalb noch eine Spritze, die gegen Schmerzen und Entzündungen helfen sollte und schrieb mir nochmals niedrig dosierte Schmerztabletten auf. Außerdem gab er mir den Rat mit auf den Weg, dass ich mich ruhig bewegen soll, damit ich keine Schonhaltung annehme, die Muskelverspannungen auslösen kann. Die Wärmeflasche sollte ich ebenfalls weiterhin benutzen und mein Mann bitten, meinen Rücken zu massieren.

Am Abend habe ich neben einer Rückenmassage noch ein heißes Vollbad genossen und bin mit einer Schmerztablette und der Wärmeflasche bewaffnet in mein Bett gegangen. Auf die Kissen unter den Beinen konnte ich schon wieder verzichten. Ich habe wie sonst auch auf der Seite geschlafen und die Wärmeflasche gegen meine Lendenwirbelsäule gelehnt.

Die schönsten Dinge geschehen bei mir immer mittwochs. Nach zwei Tagen höllischer Rückenschmerzen und dem Liegenbleiben zahlreicher Arbeiten bin ich relativ früh wach geworden. Und da war er endlich wieder weg, der Hexenschuss!

Wenn ich daran zurückdenke, möchte ich nie wieder einen Hexenschuss haben. Jedoch habe ich dadurch auch einiges gelernt: Bewegung, Wärme und das Hochlagern der Beine haben mir gegen die Rückenschmerzen geholfen. Wenn ich jedoch nochmals einen Hexenschuss bekommen sollte, fahre ich definitiv früher zu meinem Orthopäden. Ich weiß nicht, ob es der spezielle chiropraktische Griff oder die Spritze war, die meinem ersten Hexenschuss ein jähes Ende gesetzt haben. Auf jeden Fall hätte ich mir wohl einen Tag mit Schmerzen sparen können, wenn ich früher zum Arzt gefahren wäre.

Anmerkung der Redaktion:
Kreuzschmerzen oder Rückenschmerzen können sich sowohl als Hexenschuss als auch Ischias ausprägen. Wir haben eine zusätzliche Informationsseite über Ischias für Sie angelegt.