Bandscheibenvorfall – was hilft?

Seit vielen Jahren verbringe ich täglich viele Stunden am Computer, da mein berufliches Tätigkeitsfeld in der Werbebranche liegt. Als Webdesigner arbeite ich rund um die Uhr mit dem Rechner. Lange Zeit habe ich dabei nicht auf eine ergonomische Haltung geachtet und hatte logischerweise wenig Bewegung. Dass mein Rücken beim Sitzen stark gekrümmt war, habe ich nicht bemerkt – bis ich eines Tages starke Rückenschmerzen bekam.

Sobald ich bestimmte Bewegungen ausgeübt habe, zum Beispiel wenn ich mich im Sitzen zur Seite gedreht habe, quälte mich ein stechender, nahezu unerträglicher Schmerz. Schon bald strahlten die Schmerzen vom Rücken aus bis in mein linkes Bein; ebenso verspürte ich Taubheitsgefühle in den Zehen und der Wade. Auszuhalten war das Ganze fast nur noch im Liegen, weshalb ich mich für einige Tage auf der Arbeit krank meldete. Ehe ich endlich zum Arzt ging, quälte ich mich mehrere Tage mit den Schmerzen herum, weil ich glaubte, sie würden von allein wieder verschwinden. Doch anstatt abzuklingen, wurden sie immer schlimmer, sodass ich mich nicht mehr vor dem Arztbesuch drücken konnte.

Mein Hausarzt gab mir wegen der akuten Schmerzen eine Spritze und verschrieb mir Schmerzmittel, die allerdings kaum Wirkung zeigten. Er war ratlos und schickte mich zu einem Neurolgen, welcher nach einer Computertomografie einen Bandscheibenvorfall in der Lendenwirbelsäule diagnostizierte. Durch meine ständige Fehlhaltung während der Arbeit am Computer und durch den Bewegungsmangel entwickelte sich eine Schwäche der Muskulatur neben den Wirbeln.

Was ist ein Bandscheibenvorfall eigentlich?

Der Neurologe erklärte mir, dass sich die Bandscheibe aus einem weichen Kern (Gallertkern) und einem umliegenden Bindegewebsring zusammensetzt. Durch die Schwäche meines Bindegewebes – ausgelöst durch die ständige Fehlhaltung und den Bewegungsmangel – konnte der Bindegewebsring einer bestimmten Bewegung nicht mehr standhalten, da die Belastung zu groß war. Mit einem Mal ist er eingerissen, wodurch der Gallertkern nach hinten wegrutschte und somit ein Stück weit austreten konnte. Der Kern drückte auf einen Nerv und verursachte heftige Schmerzen.

Diagnose Bandschreibenvorfall – was tun?

Mein behandelnder Arzt schickte mich zu einem Orthopäden. Da ich nicht nur einen leichten, sondern sehr schweren Bandscheibenvorfall hatte, war der Orthopäde davon überzeugt, mir könne ausschließlich eine Operation helfen. Um mich von den Schmerzen zu befreien, müsse der Teil der Bandscheibe, welcher ausgetreten ist und auf den Nerv drückt, entfernt werden.

Ohne mich genauer informiert zu haben, welche Möglichkeiten es sonst gäbe, wollte ich keiner Operation zustimmen. Ich schaute mich nach anderen Behandlungsmethoden um und wandte mich schließlich an einen Physiotherapeuten. Ich musste zwar eine Weile auf den Therapiebeginn warten und deshalb vorübergehend verschiedene schmerzstillende Medikamente einnehmen, doch habe ich schnell festgestellt, dass die Physiotherapie in meinem Fall genau das Richtige war:

Physiotherapie

Zu Beginn der Therapie musste ich mich darauf konzentrieren, meinen Körper mit Hilfe bestimmter Übungen wieder besser wahrzunehmen. Durch die Schmerzen war meine Körperwahrnehmung gestört, sodass ich nicht daran arbeiten konnte, meine Fehlhaltung zu korrigieren.

Durch Anspannungsübungen verbesserte sich meine Wahrnehmung von Rückenmuskulatur und Wirbelsäule. Dabei sollte ich mich aber nicht nur auf die akute Schmerzlinderung konzentrieren, sondern als Ziel immer die Verbesserung meiner Wirbelsäulenstabilität im Auge behalten. Denn nur die Schmerzen zu beheben, löst nicht die Ursache des Problems, sodass es jederzeit zu erneutem Auftreten der Schmerzen kommen könnte. Mein Physiotherapeut hat mir einige Übungen beigebracht, die ich mehrmals am Tag zu Hause wiederholen sollte. Mein Behandlungs- und Selbsthilfeplan sollte dazu führen, dass meine Schmerzschwelle durch Nervenmobilisation heraufgesetzt wird, meine Wirbelsäulenmuskulatur gekräftigt wird und die Muskelspannung und Schonhaltung reduziert werden. Dies konnte ich durch Entspannungtechniken für die Muskulatur nach einigen Wochen erreichen. Im Zusammenhang damit standen Methoden, mit welchen ich sowohl eine Wärmeentwicklung erzeugen und somit meine Durchblutung fördern konnte als auch meine Lendenmuskulatur entspannen und meine Wirbelsäulenbeweglichkeit verbessern konnte.

Darüber hinaus habe ich durch die Übungen in der Physiotherapie gelernt meine Fehlhaltung zu korrigieren und Belastungen der Wirbelsäule zu minimieren. Letzteres gelang mir unter anderem durch Entlastungsstellungen, Muskelkräftigung und richtiges Heben.

Nach der Therapie

Um einem erneuten Auftreten der Beschwerden vorzubeugen, mache ich die Übungen aus der Physiotherapie wann immer ich Zeit und Lust dazu habe. Als sehr hilfreich hat sich für mich sportliche Betätigung erwiesen: Die körperliche Bewegung an der frischen Luft sorgt nicht nur für ein gesteigertes Wohlbefinden, sondern auch für die Verbesserung der Körperhaltung und Koordination, die Kräftigung der Rückenmuskulatur und das Lockern und Lösen von schmerzhaften Verspannungen.

Als durchaus ertragreich hat sich in meinem Fall Ausdauersport gezeigt: Regelmäßige Unterwassergymnsatik, Rückenschwimmen und Kraulen waren meine Favoriten, da sie meinen Rücken stark entlastet haben und ich gleichzeit meine Muskulatur stärken konnte. Darüber hinaus wurde mir Nordic Walking empfohlen, woran ich mich erst einmal langsam herantasten musste, weil ich anfangs zu übermütig war und ich mit meinem Training nahezu Höchstleistungen erbringen wollte. Dies ist bei einem Bandscheibenvorfall natürlich nicht gefragt und eher eine Be- als Entlastung.

Jeder muss selbst austesten, was für ihn und seinen Rücken gut ist und sich besonders wohltuend anfühlt. Auf einen Arztbesuch sollte man aber keinesfalls verzichten: Wer sich selbst zu therapieren versucht, kann vieles falsch machen und sich mehr schaden als seine Genesung einzuleiten. Auch wenn es manchmal dauert, bis die richtige Diagnose gestellt wird, sollte man einen geeigneten Arzt aufsuchen, wenn man Beschwerden hat, die auf einen Bandscheibenvorfall hinweisen. Auf therapeutische Unterstützung und ein individuell angepasstes Training sollte größter Wert gelegt werden, da im Alleingang vieles schief gehen kann.

La Cantante

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