Kreuzband: Kreuzbandriss im Kniegelenk

Dass ein Kreuzbandriss im Knie eine ernsthafte Verletzung ist, hatte ich natürlich gewusst.

Aber warum sollte es gerade mich treffen?

Ich bin ja kein Spitzensportler, nur ein Freizeitjogger, der selten bis an seine Grenzen geht. Doch eines Tages wurde mein Ehrgeiz geweckt. Meine Tochter düste mit ihrem Skatboard im Hof herum. Gekonnt und sehr elegant. Als Papa war ich stolz auf sie. Das Kind im Manne konnte ich es nicht lassen, sich selbst einmal aufs Brett zu stellen. Mein Tochter gab mir ein paar Tipps. Und siehe da, das Skateboard bewegte sich und ich mit ihm. Wie steuerte man das Teil? Die Fahrt ging geradewegs auf die Mülltonnen zu. Klar, ich hätte abspringen können, blieb aber wie festgewachsen auf dem Brett stehen. Der Crash war unvermeidlich. In allerletzter Sekunde sprang ich seitlich ab, berührte im Drehen mit dem rechten Knie die Mülltonne und landete hart auf dem Betonboden. Was war da gerade mit meinem Knie passiert? Für den Bruchteil einer Sekunde war mir, als hätte ich etwas gehört: Einen eigentümlichen Knall, als ob eine Gitarrensaite gerissen wäre.

Alles nur Einbildung. Ein paar blaue Flecken hatte ich mir wohl mit meiner tollkühnen Aktion eingehandelt. Nicht der Rede wert. Ich zog vorsichtig das Hosenbein übers Knie und staunte nicht schlecht. In kürzester Zeit war es angeschwollen und unförmig. Vielleicht konnte eine Salbe Abhilfe schaffen. Ich hörte mich in meinem Bekanntenkreis um und testete ein Wundermittel nach dem anderen, tauschte kalte gegen warme Umschlägen aus, schmierte abwechselnd Gels aus rotem Weinlaub, Rostkastaniensamen-Trockenextrakt und Arnikablüten-Tinktur auf mein malades Knie. Schlimmer wurde es dadurch nicht, aber auch keinen Deut besser.

Nach drei Tagen hatte ich den Endpunkt meiner Leidensfähigkeit erreicht und suchte einen Orthopäden auf.
Diagnose: Kreuzbandriss! Das ergab die Kniespiegelung, die mit Hilfe eines Endoskops durchgeführt wurde.
Nebenbei erfuhr ich, dass in einem Kniegelenk zwei Kreuzbänder vorhanden sind. Das vordere Kreuzband und das hintere Kreuzband. Sie kreuzen sich im Zentrum des Knies. Daher der Name. Bei mir war das vordere Kreuzband gerissen. Auf Nachfrage des Orthopäden fiel mir ein, dass ich seit Jahren gelegentlich ein leichtes Stechen im Kniegelenk spürte. Meist nach meiner Joggingtour. Bei meinem unfreiwilligen Sprung vom Skateboard war die Elastizitätsgrenze des Band überschritten worden. So einfach und verständlich erklärte mir der Arzt den Vorgang.

Zwei Behandlungsmethoden standen zur Auswahl.
Man hätte das Knie eingipsen können. Nach einigen Wochen der Ruhe, wäre ich wieder schmerzfrei gewesen, aber die alte Stabilität des Knies ließe sich auf diese Weise nicht wieder herstellen.
Also Knie operieren? Der Orthopäde erklärte mir, das gerissene Kreuzband könne durch eine Sehne verstärkt werden, die dem Oberschenkeln entnommen werde. Es wurde eine MRT am Kniegelenk durchgeführt. Das heißt, in einer Röhre wurde ein 3D-Röntgenbild von einem Knie erstellt. Der Orthopäde sah nun, wie es insgesamt um mein Knie bestellt war: Knochen, Bänder, Knorpel und Muskeln.

Die Operation verlief ohne Komplikationen. Bereits zwei Tag später begann für mich im Krankenhaus die Rehabilitation mit dem Ziel, möglichst schnell selbstständig zu werden. Danach ging es erst richtig los. Täglich vier Stunden Krankengymnastik, Übungen an verschiedenen Geräten, Bewegungen im Wasserbecken. Alles unter Anleitung von Physiotherapeuten und regelmäßiger Kontrolle meines Orthopäden. Fünf Monate später war ich wieder fit.

Es dauerte noch ein paar Wochen, dann wagte ich mich wieder auf meine Joggingpiste. Nur dem Skateboard meiner Tochter gehe ich weiträumig aus dem Weg.