Archiv des Autors: Coconuts

Hexenschuss durch Knorpelschaden

Es fing alles mit einem Knorpelschaden an:
Wenn ich nur daran denke, wie es mich zum ersten Mal richtig erwischte mit dem Hexenschuss, läuft es mir auch heute noch eiskalt den geplagten Rücken herunter. Ich war gerade beim Kochen und streckte mich, um ein Gewürz vom Regal zu holen. Es war Muskatnuss, aber das ist ja nebensächlich. Denn was dann passierte, war schlimmer als alles, was ich mir jemals an Schmerzen hätte ausmalen können. Als hätte mir jemand ein Messer, nein, mehrere, in den Rücken gerammt. Ich war augenblicklich total blockiert im ganzen Kreuz, da ging nichts mehr.
Der Versuch, alleine auf meinen zwei Beinen aus der Küche zu kommen, verursachte mir noch mehr Schmerzen. Mit letzter Kraft schaltete ich die Herdplatten aus und schleppte mich mit kleinen Trippelschritten bis ins Schlafzimmer. Ich stand vor meinem niedrigen Futonbett, wusste aber nicht, wie ich in dieses hinein kommen sollte. Einfach hinlegen ging nicht, es tat zu weh. Irgendwie schaffte ich es, indem ich zentimeterweise meine Position veränderte und langsam ins Bett kroch. Liegen tat fast genau so weh wie stehen, und umdrehen konnte ich mich schon gar nicht.
Am Bett habe ich glücklicherweise ein Telefon, und nach zwei langen Stunden holte ich Hilfe. Meine Nachbarin hat einen Hausschlüssel von mir und sie zögerte nicht lange und rief den Notarzt.

Mit dem Notarzt zum nächsten Orthopäden:
Der Krankenwagen brachte mich nur um die Ecke, weil in meiner nächsten Nachbarschaft eine große Chirurgie- und Orthopädiepraxis ist, die Notfälle behandeln muss.
Der Orthopäde untersuchte mich sofort und legte mir dann eine Infusion mit Schmerzmitteln an. Er telefonierte mit dem nächsten Krankenhaus, um einen Termin für ein MRT für mich zu legen, aber seine Diagnose stand schon fest und sie war, wie sich später dann heraus stellte, ein Volltreffer.

Diagnose Osteochondrose:
Ich habe Osteochondrose, also einen Knorpelschaden in der Lendenwirbelsäule. Einen Bandscheibenvorfall schloss er aus. Zu diesem Zeitpunkt war ich gerade mal siebenundvierzig Jahre alt, das ist jetzt sechs Jahre her.
Diese Praxis sollte ich in den nächsten Jahren sehr oft von innen sehen, und daran hat sich leider auch bis heute nicht viel geändert.
Das teure Geld für das MRT hätte er der Krankenkasse ersparen können, denn der Arzt im Krankenhaus wiederholte exakt das, was ich bereits zu meinem Leidwesen gehört hatte. Aber er musste die Untersuchung ja machen lassen, um noch Schlimmeres als den Knorpelschaden ausschließen zu können.

Unbehandelter Knorpelschaden als Ursache:
Wie man zu solch einem Knorpelschaden kommt? Es ist wohl eine Zivilisationskrankheit, falsche Bewegung und Überlastung, falsche Ernährung, aber auch Veranlagung können eine Rolle spielen. Natürlich kann man sich auch bei einem Unfall einen solchen Knorpelschaden zuziehen, aber ich hatte mich nie am Rücken verletzt.
Eine ganze Woche lang bekam ich Infusionen, denn mein Arzt meinte, er möchte mein Schmerzgedächtnis möglichst ausschalten und ich müsse mich dringendst bewegen, sonst würde es noch schlimmer.
Ich musste meine Ernährung umstellen, da mein Säure-Basen-Haushalt durcheinander geraten war und ich nahm jetzt regelmäßig Kalzium.
Dann schickte er mich zum Physiotherapeuten zur Krankengymnastik. Die zehn Behandlungen halfen ein wenig und ich hatte eine Zeitlang zumindest vor schweren Schmerzen Ruhe. Aber immer öfter hatte ich minderschwere Schmerzattacken und fehlte bei der Arbeit.
Letztes Jahr erwischte es mich dann direkt an meinem Arbeitsplatz, als ich gerade einen Stoß Papiere für meinen Chef ordnete. Aber dieses Mal war es anders, auf einmal bekam ich rasende Schmerzen im Bereich der Schulterblätter in der Brustwirbelsäule. Den Kopf konnte ich überhaupt nicht mehr bewegen und meine Arme schmerzten fürchterlich. Mein Chef ist ein netter Kerl, er ließ alles stehen und liegen und fuhr mich zu meinem Arzt.
Als die Arzthelferinnen mein schmerzverzerrtes Gesicht sahen, nahmen sie mich sofort dran. Mein Orthopäde untersuchte kurz meinen Rücken, und da waren sie wieder, die gefürchteten Worte: Knorpelschaden aufgrund von Osteochondrose und eine massive Entzündung der quer gestreiften Muskulatur. Das ganze Spiel ging von vorne los, aber das hier war ein neu diagnostizierter Knorpelschaden, der viel weiter oben lag als der erste.
Ich bin so froh, dass ich einen verständnisvollen Chef habe, aber ich arbeite ja auch schon lange Jahre in seiner Firma. Denn das finde ich richtig schlimm, wenn kranke Menschen, die sowieso schon genügend Probleme haben, auch noch ihren Arbeitsplatz verlieren, weil sie ein wirtschaftlich nicht mehr tragbarer Faktor geworden sind.
Als die Entzündung der Muskulatur nach vier Tagen etwas nachließ, renkte mir mein Orthopäde kurzerhand noch zwei, drei Wirbel zwischen Hals- und Brustwirbelsäule ein. Sie hatten sich durch die permanente Schonhaltung wohl etwas verschoben. Es krachte ein wenig, aber das Einrenken tat mir überhaupt nicht weh.
Vor vier Wochen kam ich von einer Heilkur zurück, die mir meine Krankenkasse bis auf den Eigenanteil von zehn Euro am Tag voll bezahlt hat. Die Anwendungen mit Fango und die Aromabäder haben mir richtig gut getan. Ich nahm auch an der Wassergymnastik teil, aber die Ärztin hatte mir vorher schon gesagt, ich solle die Übungen langsam angehen und das tat ich auch.
Momentan geht es mir ganz gut, aber die latente Angst vor der nächsten Schmerzattacke und einem weiteren Knorpelschaden sitzt mir im wahrsten Sinne des Wortes im Nacken. Auch mache ich mir große Sorgen, dass die Krankheit fortschreitet und ich mich operieren lassen muss. Ich habe jetzt einen Schwerbehindertenausweis beantragt, und das mit dreiundfünfzig Jahren.

Anmerkung der Redaktion:
Ein Knorpelschaden an der Wirbelsäule kann der Orthopäde frühzeitig erkennen. Lassen Sie es nicht so weit kommen.

Ischias

Der Nervus Ischiadicus ist einer der wichtigsten Nerven des menschlichen Körpers. Er regelt unzählige Muskelfunktionen der unteren Extremitäten. Der Nervus Ischiadicus beginnt in Höhe der Hüfte und verläuft durch den Oberschenkel bis in die Ferse. Ist mit dem Ischiasnerv alles in Ordnung, so spüren wir ihn nicht. Aber wehe, er entzündet sich, ist eingeklemmt oder wird durch einen Unfall verletzt. Dann wissen wir leider auf einmal ganz genau, wo er sitzt. Diese Schmerzen bezeichnet man gemeinhin als „Ischias„. Hinter diesem Begriff verbergen sich die unterschiedlichsten Erkrankungen.

Der aufrechte Gang des Menschen macht ihn anfällig für Rückenleiden und Abnutzung der Bandscheiben. Falsches Bücken, Sitzen und Tragen von Lasten schaden auf Dauer dem empfindlichen Bewegungsapparat.
Bei der chronischen Variante nutzen sich die Wirbelkörper allmählich und schleichend ab, wodurch eine Entzündung der kleinen Nervenwurzeln des Ischiasnervs hervor gerufen wird. Der Schmerz sitzt dabei aber nicht etwa nur im Rücken. Im Zusammenspiel der Beugung der Hüfte und der Streckung des Knies entsteht ein quälender Schmerz, der sich durch das ganze Bein zieht.

Akute Bandscheibenvorfälle werden im Volksmund als „Hexenschuss“ bezeichnet. Dabei sitzt der schier unerträgliche Schmerz in der Rückengegend. Auch diese Art der Erkrankung schadet dem Ischiasnerv, der sich entzünden kann und dann von der Rückenpartie bis in den kleinen Zehen schmerzt.
Chronische Reizungen des Ischiasnervs werden auch durch Rückenverletzungen hervorgerufen.
Auch Weichteiltumore, die auf die Nervenenden drücken, können Schmerzen verursachen.

Ein Wort verbindet man immer wieder mit dem Begriff „Ischias„. Es ist das Wort Schmerz. Um die Lebensqualität zu erhalten oder wieder zu gewinnen, ist die Behandlung beim Orthopäden und dem Physiotherapeuten unabdingbar. Selbst neu aufgetretene leichte Schmerzen sollten umgehend abgeklärt werden, um die Ursachen rechtzeitig erkennen und therapieren zu können.

Therapien für Ischiasleiden gibt es viele. In der modernen Medizin ist man zum Glück nicht mehr wie früher der Meinung, dass ein gewisses Maß an Schmerzen ertragen werden kann und muss. Eine individuelle und effiziente Schmerzbehandlung hat heutzutage gerade bei Erkrankungen des Bewegungsapparats oberste Priorität. Denn Schonhaltung kann Beschwerden entscheidend verschlimmern. Nur die Kombination von lokaler Schmerzlinderung und orthopädischer Behandlung bringt Linderung und Genesung. Ein akuter Ischias erfordert Bettruhe und Wärme.

Später in der Rückenschule zeigt der Therapeut dem Patienten, wie er eine bessere, aufrechtere Haltung einnimmt und sich auf Dauer richtig bewegt. Die erlernten Übungen kann er später alleine durchführen.

Wenn die Krankenkasse eine Badekur genehmigt, helfen eventuell Fangobehandlungen oder schwefelhaltige Quellen.
Es macht wenig Sinn, Ischiasschmerzen ohne Therapie der Grunderkrankung zu behandeln. Ist die Wirbelsäule durch Abnutzung, Fehlstellungen und Verschleiß sehr in Mitleidenschaft gezogen, hilft nur noch eine Operation.

Lassen Sie es nicht so weit kommen, gehen Sie bei Rücken- und Beinschmerzen bitte immer gleich zum Arzt.

Anmerkung der Redaktion:
Bitte beachten Sie auch den Beitrag über den „Hexenschuss„. Kreuzschmerzen oder Rückenschmerzen können sich sowohl als Hexenschuss als auch Ischias ausprägen.

Kniearthrose: der lange Weg des Leidens

Schmerzen in den Kniegelenken, Untersuchung beim Orthopäden
Mein erster Gang zum Orthopäden ist schon fast zwanzig Jahre her, damals war ich Anfang dreißig. Ich hatte Schmerzen, zunächst nur im rechten Knie. Äußerlich war wenig zu sehen, das Knie war nur ab und zu etwas geschwollen und beim Laufen tat es weh.
Ob ich Sport treiben würde? Ja, ich war Sportlerin gewesen in ganz jungen Jahren, und hatte eigentlich immer gedacht, das würde mir nicht nur länger die Figur erhalten, sondern auch meinen Körper auf Trab. Weit gefehlt. Das Fußballspielen mit meiner Thekenmannschaft verbot er mir umgehend, bevor überhaupt irgend welche Untersuchungsergebnisse vorlagen. Dabei sprang ich nur ab und zu ein, wenn nicht genügend Spielerinnen Zeit hatten. Ein, zwei Samstage im Monat höchstens. Damit sollte es jetzt vorbei sein? Zum ersten Mal im Leben fühlte ich mich alt.
Die Frage, ob es in der Familie rheumatische Erkrankungen, Arthrose, Meniskus-Operationen und Ähnliches gäbe, musste ich leider bejahen. Familiär war ich, mütterlicherseits, tatsächlich vorbelastet.
„Gonarthrose in beiden Knien“. Mir war zum Heulen.
Nach der körperlichen Tast-Untersuchung, dem Röntgen und der Blutabnahme vereinbarte ich einen neuen Termin, für eine Arthroskopie.

Den ärztlichen Rat nicht befolgt
Dann tat ein paar Tage lang nichts weh, und ich sagte den Termin ab.
Wie blöd kann ein Mensch sein? Samstags darauf spielte ich Fußball. Linke Verteidigerin, auf dem Hartplatz. Ich versuchte gerade, einer gegnerischen Spielerin den Ball abzunehmen, als mitten im Lauf der Meniskus in meinem rechten Knie riss. Ich hörte ihn förmlich krachen, wie sich später heraus stellte, in drei Teile. Das Knie wackelte nur noch so umher.

Krankenhausaufenthalt wegen Meniskusriss
Im Krankenhaus bot mir der Orthopäde an, die Operation mit Rückenmarksspritze durchzuführen. Ich fand das eine super Idee, und am nächsten Morgen war der Operationstermin anberaumt.
Er setzte mir die Spritze, und wollte ein paar Minuten später mein Knie abbinden. Leider hatte die Periduralanästhesie nicht gewirkt und ich schrie vor Schmerzen. Das Ende vom Lied war eine Vollnarkose.
Aus dem Krankenhaus war ich zwei Tage später schon entlassen, die Drainage vorher gezogen. Ich humpelte an Krücken, aber der Arzt warnte mich, wenn ich nicht umgehend zur Krankengymnastik ginge und das Bein nicht bewegte, bliebe es steif.

Krankengymnastik und Sport stärkten das Kniegelenk
Termine versäumte ich von da an nie mehr. Es dauerte Monate, bis ich, unter stärksten Schmerzen, mein Knie auch nur ein wenig beugen konnte. Es war blau angeschwollen, und selbst die geringste Bewegung trieb mir die Tränen in die Augen. Es wurde regelmäßig punktiert. Nach sechs Monaten konnte ich einigermaßen laufen.
Ich ging regelmäßig schwimmen, um meinen Oberschenkelmuskel wieder aufzubauen. Schwimmen ist einfach eine klasse Sache, es hilft nicht nur, sich schmerzarm zu bewegen, sondern tut auch der Seele gut.

Der Arbeitsalltag machte Sport fast unmöglich
Dann war ich jahrelang fast beschwerdefrei, wenn ich mir bloß nicht das Knie anstieß. Das tat, und tut immer noch, einfach höllisch weh. Als würde mir jemand elektrischen Strom durch das Bein jagen.
Seit sieben Jahren arbeite ich Vollzeit in einem Büro am PC. Anfangs ging das gut, aber vor ungefähr vier Jahren bekam ich immer öfter Schwellungen in beiden Knien, und solche Schmerzen, dass ich abends nur mit Hilfe von meinem, wohlgemerkt ergonomisch einwandfreien, Bürostuhl aufstehen konnte. Morgens hatte ich Schuhgröße 38 und abends 40. Zum Schwimmen hatte ich keine Zeit mehr, oder besser: Ich nahm mir keine.

Massiver Knorpelabbau im Kniegelenk als Folge
Mein Orthopäde war mittlerweile in Rente, aber eine Bekannte empfahl mir eine neue Praxis. Der Arzt war nett, und ich ging diesmal wirklich zu den Spiegelungen. Erst das rechte Knie, ein paar Tage später das linke. Wegen der Infektionsgefahr spiegelte er nicht beide Seiten am gleichen Tag.
Massiver Knorpelabbau im linken Knie. Im rechten noch schlimmer. Ich war wieder den Tränen nahe.
Was ich beruflich mache. Die Antwort gefiel ihm nicht.

Kniearthrose: Behandlung mit Hyaluronsäure
Hyaluronsäure. Ich hatte das Wort schon gehört, viel wusste ich nicht darüber. Sie kann Arthrose nicht heilen, aber lindern und aufhalten. Aus Hahnenkämmen wird der Stoff zum Beispiel gewonnen.
Na ja, wenn’s hilft. Aber irgend einen Haken musste die Sache doch haben, so wie der Arzt mich ansah.
Super, meine Krankenkasse zahlt das nicht. Aber, einen Antrag konnte ich ja mal stellen.
Das hätte ich mir besser gleich gespart, ich meine nicht, das Geld. Sondern den nervenaufreibenden Kleinkrieg mit der Krankenkasse.
Ich schenkte mir die Hyaluronsäure dann selbst zum Geburtstag und zu Weihnachten. Innerhalb eines Jahres bekam ich zehn Spritzen in jedes Knie. Eine Zeitlang ging es mir etwas besser, die Injektionen schien zu helfen.
Vor zwei Jahren wurde es wieder schlimmer. Zeitweise konnte ich fast gar nicht mehr gehen, und der Arzt verordnete mir neue Spritzen. Leider vertrug ich sie plötzlich nicht mehr und bekam Nesselsucht am ganzen Körper. Obwohl es das identische Präparat war wie beim ersten Mal.
Der Orthopäde sprach nun von Stadium 2 bis 3, und erwähnte erstmals künstliche Gelenke.
Ich ging dagegen zum Heilpraktiker, schaden konnte es ja nicht. Er sprach davon, dass mein Säure-Basen-Haushalt wohl aus den Fugen sei. Weniger Fett und nicht so viel Süßes solle ich essen. Teufelskralle und Brennessel schlug er vor. Teufelskralle vertrage ich mit dem Magen nicht, und auch auf Brennessel reagiere ich mit Allergien.

Kniearthrose: Gegenmittel Heilfasten und Sport
Aber das Gespräch hatte mich nachdenklich gemacht. Ich begann mit Heilfasten. Dazu muss man sich unbedingt vorher von einem Arzt untersuchen lassen und seine Zustimmung einholen, da es bei bestimmten Herz-Kreislauf-Krankheiten gefährlich werden kann. Wenn man das abgeklärt hat, ist Heilfasten eine tolle Sache. Sicher, am Anfang ist es schwer, aber wenn die Entgiftung in Gang kommt, fühlt man sich wie neu geboren. Ich machte immer mal wieder eine solche Kur, während der ich viel Flüssigkeit zu mir nahm. Ansonsten ernähre ich mich bewusster und gehe dreimal die Woche schwimmen.
Eine Freundin empfahl mir die Pflanze Beinwell. Sie wächst inzwischen in meinem Garten. Hildegard von Bingen behandelte Knochenbrüche damit, und ich meine kranken Knie. Ich hacke die frischen Blätter streiche den Brei auf die Haut, dann umwickle ich mit ganzen Blättern und bandagiere die Knie.
Das ersetzt natürlich nicht den Gang zum Arzt, und Beinwell darf man auch nur äußerlich anwenden.
Regelmäßig lasse ich die Arthrose checken und gehe zu allen Vorsorgeuntersuchungen.
Aber seitdem ich mehr auf meinen Körper höre, geht es mir und auch meinen Knien etwas besser.

Luxation des oberen Sprunggelenks

Wir nutzen unsere Sprunggelenke täglich unzählige Male, auch wenn wir gar nicht springen. Auf ihnen lastet eine Menge Gewicht und sie haben vielerlei Aufgaben.
Doch selbst wer nie aktiv Sport betrieben hat, kann trotzdem Probleme mit einem oder beiden Sprunggelenken haben, weil sie sich abnutzen. Dann hat eine schleichende Arthrose zu Umbauprozessen innerhalb des Gelenks geführt.
Sportverletzungen des Sprunggelenks ereignen sich im Fußball, im Handball und logischerweise vor allem in der Leichtathletik häufig. Sehen wir zum Beispiel einen Hochspringer nach einem Sprung mit schmerzverzerrtem Gesicht von der Matte aufstehen und davon humpeln, oder bleibt er gleich ganz liegen, dann hat er sich in vielen Fällen die Außenbänder des Sprunggelenks verletzt oder sie wurden überdehnt. Häufig reißen diese Bänder sogar,
denn beim Abspringen wirken enorme Kräfte auf diesen Bereich des Fußes. Komplette Frakturen sind eher selten, aber Fissuren, so genannte Haarrisse, treten oft als Folge von Traumata auf. Sprunggelenksverletzungen gehören zu den häufigsten Sportverletzungen überhaupt.
Aber auch im privaten Bereich kann man sich durch Ausrutschen, Umknicken und Überlastung des Fußes leicht verletzen.

So wie mich vor fünf Jahren im Winter, als ich dran war mit dem Schneeräumen vorm Haus. Das macht mir normalerweise nichts aus, aber an dem Tag war es bitter kalt und ich hatte Frühdienst in der Firma.
Ich schlotterte vor Kälte als ich den Schnee zur Seite räumte und ein wenig Granulat streute.
Schnell wollte ich ins Haus zurück, um mich für die Arbeit fertig zu machen. Da geschah es, kurz vor dem Hauseingang glitt ich aus, knickte um und fiel hin.
Zwei Nachbarn eilten herbei, um mir zu helfen. Sie hatten meine Schmerzensschreie gehört und trugen mich in meine Wohnung, von wo aus sie sofort den Krankenwagen riefen. Bis zu seinem Eintreffen verbanden sie mir die stark blutende Wunde am Kopf. Aber die machte mir keine Sorgen, viel mehr als die Platzwunde schmerzte mein linker Fuß. Als ich die Schuhe auszog, war er schon doppelt so dick wie der rechte. Er war blau-rot angelaufen und ein dunkelblauer Strich zog sich rund um die Fessel. Selbst mir las Laie war sofort klar, dass etwas gebrochen sein musste.
Der Notarzt war innerhalb von Minuten da und legte mir eine Infusion und eine Fußschiene an. Er lobte die Nachbarn für den vorbildlichen Kopfverband und stellte eine erste Verdachtsdiagnose:
Gerhirnerschütterung, Platzwunde am Kopf und Luxation des oberen Sprunggelenks.
Obwohl ich es gar nicht wollte, liefen mir Tränen über die Wangen. Es war drei Tage vor Weihnachten und ich war auf dem Weg ins Krankenhaus.

Eine nette junge Ärztin untersuchte den Fuß und legte eine neue Schiene an. Die Platzwunde am Kopf war schnell genäht. Schlecht wurde mir nicht in den nächsten vierundzwanzig Stunden, es war nur eine leichte Gehirnerschütterung. Trotzdem kamen die Ärzte immer wieder an mein Bett und kontrollierten meine Pupillen mit einer Taschenlampe. Sie nahmen mir Blut ab und am nächsten Morgen schob mich ein Pfleger im Rollstuhl zum Röntgen und zur Computer-Tomographie. Der diensthabende Orthopäde prüfte die Unterlagen und bestätigte die Diagnose des Notarztes. Zwei Stunden später kam der Anästhesist in mein Zimmer und erklärte mir die Operation und die Risiken. Noch am gleichen Tag fand der Eingriff statt.
Er dauerte zwei Stunden, denn mir wurden Schrauben und eine Platte in den Fuß eingesetzt.
Als ich aufwachte, hatte ich Schmerzen, aber sie waren erträglich dank der guten Behandlung durch Ärzte und Schwestern. Mein Fuß war hoch gelagert und geschient.
Am ersten Weihnachtsfeiertag durfte ich auf Krücken nach Hause. Sie wurden meine ständigen Begleiter, denn ich durfte den Fuß noch nicht belasten. Im Bett lagerte ich das Bein immer hoch. Es dauerte Wochen, bis der Fuß nicht mehr ganz so stark geschwollen war und ich vorsichtig wieder auftreten konnte.
Nach acht Monaten musste ich erneut ins Krankenhaus und die Platte samt Schrauben wurden durch eine zweite Operation entfernt. Der Heilungsprozess dauerte bei nicht annähernd so lange wie nach der ersten Operation.
Aber ich hatte jetzt ein ganz anderes Problem. Ich fühlte mich unsicher ohne das Ersatzteillager in meinem Fuß und litt unter der ständigen Angst, mein Fuß könnte erneut brechen.

Empfindlich ist das Sprunggelenk auch jetzt nach fünf Jahren noch, doch bis auf die Operationsnarben sieht man ihm nichts an. Einen Wetterfrosch muss ich mir nicht halten, denn das Ziehen im Fuß spüre ich schon, wenn ein Tiefdruckgebiet noch zweihundert Kilometer entfernt ist. Ich meide Sportarten, bei denen die Verletzungsgefahr groß ist. Zusammen mit ein paar Freundinnen habe ich Nordic Walking, das Wandern mit Stöcken, für mich entdeckt. Vor Glatteis nehme ich mich seit dem Unfall besonders in Acht und lege Wert auf rutschfestes Schuhwerk.