Bandscheibe: Mein erster Hexenschuss

Unschöne Dinge geschehen bei mir immer montags. Nach einem tollen Wochenende mit schönem Wetter und reichlich erledigter Gartenarbeit sollte es einmal mehr der Montag sein, der meine gute Laune ruinierte. Nichts ahnend bin ich von meiner morgendlichen Kindergarten- und Hunderunde wieder zu Hause angekommen und hatte den guten Vorsatz, mein Haus ordentlich auf Vordermann zu bringen. Ich war gerade dabei, mit dem Staubsauger die unter dem Couchtisch verloren gegangenen Gummibärchen aufzusaugen, da fuhr plötzlich ein fürchterlicher Schmerz durch meinen ganzen Körper.

Im ersten Moment fühlte ich mich, wie vom Blitzschlag getroffen und versuchte, mich auf den Sessel zu setzen. Dies war kaum möglich, da der komplette untere Rücken derart weh tat, dass mir die Luft wegblieb. Ratlos, wie ich war, rief ich zunächst meinen Mann an und schilderte ihm meine Beschwerden. Mein Mann hatte schon des Öfteren Rückenschmerzen und meinte zu mir, dass ich wohl „nur“ einen Hexenschuss hätte und mich hinlegen sollte. Außerdem würden ihm immer Wärmeflaschen helfen, wenn er etwas mit dem Rücken hat.

Bewegen konnte und wollte ich mich mit diesen Schmerzen sowieso nicht und legte mich deshalb vorsichtig auf die Couch. Nach einiger Zeit fand ich heraus, dass die Schmerzen etwas nachließen, wenn ich meine Beine hochlagerte. Also schob ich alles, was ich an Kissen hatte, zu einem Berg zusammen und legte meine Beine darauf. Nun war es doch erst morgens, ich hatte viel zu tun und konnte doch nicht bis zum Feierabend meines Mannes einfach auf der Couch herumliegen! Ich beschloss, mir eine Wärmeflasche in den unteren Rücken zu legen und eine Schmerztablette einzunehmen.

Die Wirkung der Tablette setzte nach etwa einer halben Stunde ein. Durch die Hitze der Wärmeflasche bin ich sogar ehrlich gesagt etwa für eine Stunde in meiner lustigen Liegeposition auf der Couch eingeschlafen. Als ich wieder wach wurde, dachte ich gar nicht mehr an meinen schmerzenden Rücken. Erst bei dem Versuch aufzustehen, wurde ich mir dessen wieder bewusst. Er war noch da, der Hexenschuss.

Irgendwie schaffte ich es dennoch durch den Tag. Mein Mann cremte mir am Abend den Rücken mit einer schmerzstillenden und entzündungshemmenden Salbe ein und schickte mich ins Bett. Schlafen konnte ich jedoch wiederum nur mit hochgelagerten Beinen. Am nächsten Morgen hatte ich die Hoffnung, dass diese fiesen Rückenschmerzen endlich vorbei seien, wurde jedoch eines Besseren belehrt. Nein, er war immer noch da, der Hexenschuss.

Da ich Schmerzmittel schlecht vertrage und keine Lust mehr auf meine Couch hatte, rief ich bei meinem Hausarzt an. Nach Erörterung meiner Rückenschmerzen verwies mich die Arzthelferin direkt an einen Orthopäden. Für einen Termin bei meinem Orthopäden musste ich in der Vergangenheit immer lange warten. Daher war ich doch sehr verwundert, als die orthopädische Praxis mir vorschlug, einfach vorbei zu kommen und etwas Wartezeit mit zu bringen.

Nach etwa einer Stunde stand ich mit meinen Rückenschmerzen bei meinem Orthopäden. Im Wartezimmer Platz nehmen konnte ich nicht, da Sitzen im Moment irgendwie gar nicht ging. Also lief ich in der Praxis auf und ab, bis ich endlich in das Behandlungszimmer geführt wurde. Das Auf- und Ablaufen war im Übrigen gar nicht so schlecht. Während der Bewegung hielten sich die Schmerzen in Grenzen.

Nach meiner Schilderung untersuchte mein Orthopäde meinen Rücken. Wie sollte es auch anders sein, „traf“ der Gute bei der Untersuchung sofort die Punkte in meinem Lendenwirbelsäulenbereich, die extremen Schmerz auslösten. Zur Vorsicht ordnete mein Arzt eine Röntgenuntersuchung an, war sich der Diagnose Lumbago„, also Hexenschuss, aber schon ziemlich sicher.

Nach dem Röntgen wurde ich nochmals in das Behandlungszimmer gebeten. Mein Orthopäde meinte zu mir, dass er anhand der Röntgenbilder einen Bandscheibenvorfall ausschließen könne und ich wirklich „nur“ unter einem Hexenschuss leide. Mir jedenfalls hat der Hexenschuss gereicht und ich wollte ihn endlich loswerden.

Der Orthopäde erklärte mir, dass eine ungewohnte oder schnelle Bewegung den Hexenschuss auslösen kann und diese Erkrankung nicht nur ungelenkige oder ältere Personen trifft. Dann musste ich mich auf die Behandlungsliege legen. Mein Arzt nahm meine Beine in die Hand und verdrehte meinen Körper in die unmöglichsten Positionen. Dann machte es „Plopp“! Mein Orthopäde, der gleichzeitig auch Chiropraktiker und Sportmediziner ist, hatte meinen Rücken wieder eingerenkt und meinte, ich könnte wieder aufstehen.

Ich war sehr erschrocken, bemerkte jedoch beim Aufstehen schon eine deutliche Besserung. Ganz weg war der Schmerz jedoch noch nicht. Mein Arzt gab mir deshalb noch eine Spritze, die gegen Schmerzen und Entzündungen helfen sollte und schrieb mir nochmals niedrig dosierte Schmerztabletten auf. Außerdem gab er mir den Rat mit auf den Weg, dass ich mich ruhig bewegen soll, damit ich keine Schonhaltung annehme, die Muskelverspannungen auslösen kann. Die Wärmeflasche sollte ich ebenfalls weiterhin benutzen und mein Mann bitten, meinen Rücken zu massieren.

Am Abend habe ich neben einer Rückenmassage noch ein heißes Vollbad genossen und bin mit einer Schmerztablette und der Wärmeflasche bewaffnet in mein Bett gegangen. Auf die Kissen unter den Beinen konnte ich schon wieder verzichten. Ich habe wie sonst auch auf der Seite geschlafen und die Wärmeflasche gegen meine Lendenwirbelsäule gelehnt.

Die schönsten Dinge geschehen bei mir immer mittwochs. Nach zwei Tagen höllischer Rückenschmerzen und dem Liegenbleiben zahlreicher Arbeiten bin ich relativ früh wach geworden. Und da war er endlich wieder weg, der Hexenschuss!

Wenn ich daran zurückdenke, möchte ich nie wieder einen Hexenschuss haben. Jedoch habe ich dadurch auch einiges gelernt: Bewegung, Wärme und das Hochlagern der Beine haben mir gegen die Rückenschmerzen geholfen. Wenn ich jedoch nochmals einen Hexenschuss bekommen sollte, fahre ich definitiv früher zu meinem Orthopäden. Ich weiß nicht, ob es der spezielle chiropraktische Griff oder die Spritze war, die meinem ersten Hexenschuss ein jähes Ende gesetzt haben. Auf jeden Fall hätte ich mir wohl einen Tag mit Schmerzen sparen können, wenn ich früher zum Arzt gefahren wäre.

Anmerkung der Redaktion:
Kreuzschmerzen oder Rückenschmerzen können sich sowohl als Hexenschuss als auch Ischias ausprägen. Wir haben eine zusätzliche Informationsseite über Ischias für Sie angelegt.

2 Gedanken zu „Bandscheibe: Mein erster Hexenschuss

  1. Pingback: Ischias, Kreuzschmerz, Bandscheibe | Orthopädie hautnah

  2. admin

    Bandscheibenvorfall bei Nutzung eines Sappies.

    Ihr wisst nicht was ein Sappie ist? Ich erkläre es Euch kurz:
    Ihr habt einen Ofen/Kamin? Ihr braucht Holz? Ihr klärt das am besten mit dem Förster.
    Der gibt Euch Holz bis zum Abwinken, aber…
    das liegt auf dem Boden. Also benötigt Ihr einen Sappie zum Anheben.

    Ihr könnt das auch mit den Händen tun. Leider ist Eure Wirbelsäule in diesem Fall geneigt – wenn Ihr keine 20 mehr seid – Euch den Dienst zu verweigern.
    Blöde, wenn einem soetwas passiert… genau in dem Moment, wenn man mit dem Sappie gerade einen wunderbaren Holzstamm aufheben möchte. Man schlägt den Sappie ein und es geschieht genau das, was kein Mansch braucht: es fährt einem in den Rücken. Kreuzschmerz. Bandscheibe!

    Unter uns, ein Bandscheibenvorfall vergeht auch wieder. Nach etwa drei Tagen ist der Kreuzschmerz vorbei. Nur, die drei Tage verbringt man im Liegen.

    Das hatte ich bereits zwei Mal weil ich leidenschaftlich gerne Holz mache. Das Problem war der Sappie und der Bewegungsablauf. Momentan nutze ich eine Forest Claw, also ein Sappie mit zwei Krallen (statt mit einer), die sich ins Holz schlagen lassen. Den breiten Griff kann man sehr gut mit beiden Händen anpacken.
    Mit ein wenig Übung kann man damit seinen Rücken entlasten und hat wesentlich weniger Aufwand mit den schweren Holzstücken.

    Mein Tipp: ein Sappie mit zwei Krallen ist einfach im Handling und entlastet die Wirbelsäule. Wer Probleme mit den Bandscheiben hat, aber dennoch gerne Holz macht, sollte sich unbedingt einmal die Forest Claw ansehen..

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