Archiv für den Monat: März 2012

Hexenschuss: wenn es in der Bandscheibe klemmt

Der im Volksmund als Hexenschuss bezeichnete akute Ischias oder auch die akute Lumbago ist ein Leiden, das Menschen unterschiedlichster Altersklassen befallen kann. Als typische Symptome sind ein plötzlicher stechender Schmerz und unter Umständen auch ein Kribbeln in den Beinen zu nennen. Der Hexenschuss kann durch einseitige Belastung oder durch eine falsche Bewegung, aber auch durch einen Unfall oder eine Unterkühlung auftreten. Medizinisch gesehen tritt der Ischiasnerv aus der Bandscheibe aus und wird durch die verspannten Muskeln und die darauf drückende Bandscheibe gequetscht. Daraus folgend kann der Hexenschuss natürlich unterschiedliche Intensitätsgrade aufweisen. In jedem Fall beginnt der Hexenschuss mit dem, was man sich unter dem Wort schon vorstellen kann: Ein plötzlicher stechender Schmerz mit daraus resultierender Bewegungseinschränkung im unteren Wirbelsäulenbereich. Beim leichten Hexenschuss beschränkt sich das Krankheitsbild auch auf diese Phänomene. Bei einem schwereren Krankheitsverlauf tritt ein Kribbeln in den Beinen und im unteren Rückenbereich auf. Wirklich ernst wird es, wenn das Kribbeln eher zum Stechen wird und auch beim Wasserlassen oder beim Stuhlgang auftritt. Spätestens dann wird es Zeit, einen Arzt, also einen Orthopäden aufzusuchen.

Die fachliche Therapie besteht oftmals in der Gabe von Schmerzmitteln, um überhaupt erstmal eine Beweglichkeit wiederherzustellen. Im weiteren Verlauf muss analysiert werden, auf welcher Basis der Hexenschuss auftrat. Das kann eine einseitige Fehlbelastung sein, weil man im Büro arbeitet und die ganze Zeit falsch sitzt. Auch mangelhafte Bewegung kann das Entstehen eines Hexenschusses begünstigen. In diesem Fall ist Krankengymnastik der Schlüssel der Behandlung. Ist der Patient erst einmal wieder schmerzfrei oder zumindest schmerzärmer, kann er mit vorsichtigen Bewegungen beginnen. Diese zielen darauf ab, die paravertebrale, also die seitlich der Wirbelsäule gelegene Muskulatur aufzubauen. Ist diese Muskulatur gestärkt, hat der Ischiasnerv auch nicht die Möglichkeit, aus der Bandscheibe auszutreten, weil er durch die Muskulatur an der Stelle gehalten wird, an der er sein sollte.
Hat der Patient sich verkühlt oder setzt er sich dauerhaft Unterkühlungen des unteren Rückens aus, sollte er natürlich sein diesbezügliches Verhalten verändern. Auch hier wird darauf geachtet, dass er zunächst von seinen Schmerzen befreit wird. Unterstützend wird er Wärmeanwendungen wie Fangopackungen erhalten.
Massagen sind bei jeder Art von Rückenschmerz und Hexenschuss angenehm. Die verspannte Muskulatur wird gelockert. So können auch wieder Bewegungen durchgeführt werden, die ihrerseits wieder die Muskulatur stärken.

Natürlich setzt eine fachgerechte Behandlung in der Regel immer einen Arztbesuch voraus. Nur ein entsprechend ausgebildeter Arzt, in der Regel der Orthopäde, kann anhand unterschiedlicher Diagnoseverfahren ermitteln, was die tatsächliche Ursache des Hexenschusses war. Denn die landläufige Meinung, man habe lediglich etwas zu schwer gehoben und nur deshalb sei der Hexenschuss aufgetreten, ist oftmals nur die halbe Wahrheit. Oft sind es vorhergehende muskuläre Schwächen, die die Symptome überhaupt erst möglich machten. In diesem Fall kann zwar Schonung die Beschwerden lindern. Langfristig kann es aber leicht wieder zu Schmerzen kommen, weil die Ursache, nämlich die Muskelschwäche, nicht beseitigt wurde. Bewegt sich der Mensch also weiter so mangelhaft oder belastet er die Wirbelsäule weiterhin falsch und einseitig, kommt es immer schneller zu Beschwerden.

Handelt es sich lediglich um einen leichten Hexenschuss, kann man aber auch mit Hausmitteln schon ein ganzes Stück weiter kommen. Kirschkernkissen und Dinkelkissen erfüllen mehrere Zwecke. Einerseits kann man sie auf eine individuell gewünschte Hitze erwärmen. Andererseits massieren sie durch ihre Füllung etwas, wenn man sich während des Einsatzes bewegt. Man kann sich auch selbst damit massieren.

Auch ein Rotlicht kann Verspannungen lösen und damit den Schmerz lindern. Gerade über Nacht kann man gute Erfolge erzielen, wenn man zunächst Rotlicht für eine Viertelstunden wirken lässt, um dann den verspannten Bereich mit Wärmesalben einzureiben. Tigerbalm oder andere Wärmesalben können leichte Beschwerden sogar über Nacht verschwinden lassen.
Tagsüber kann man Wärmepflaster anwenden. Auf diese Weise wird recht schnell die Beweglichkeit wieder hergestellt. Diese Wärmepflaster reagieren mit der Haut und halten dann für etwa acht Stunden die beklebte Stelle warm. Dank moderner Verarbeitung können diese auch im Berufsalltag eingesetzt werden, ohne dass sie großartig auffallen.

Auch der Klassiker, die Wärmflasche, kann Besserung verschaffen. Diese kann man bei einem entsprechenden Arbeitsumfeld sogar tagsüber anwenden. Unauffällig in der Beuge des Bürostuhls abgelegt, kann man den Rücken so immer wieder warmhalten.

Gerade während der akuten Schmerzen sollte man zusätzlich darauf achten, dass der Rücken durch Kleidung warmgehalten wird.

Langfristig wird aber nur ein entsprechendes Training und ausreichende Bewegung dafür sorgen, dass derartige Beschwerden erst gar nicht wieder auftreten. Sobald also die Schmerzen nachlassen, sollte man schnellstens mit Sport oder anderer Muskelstärkung anfangen. Das kann im ersten Schritt Spazierengehen sein. Dabei sollte man natürlich den Rücken bewegen und nicht komplett steif laufen. Einige lockernde Bewegungen fordern zum ersten Mal die Rückenmuskeln wieder. Auch spezielle Übungen, die die Rückenmuskeln stärken, können hilfreich sein.
Natürlich gibt es auch besonders förderliche Sportarten. Schwimmen beispielsweise kräftigt ganz unterschiedliche Muskelregionen. Hier sollte man natürlich darauf achten, dass man sich nicht wieder Verkühlungen zuzieht. Entweder achtet man darauf, dass man eher im warmen Wasser schwimmt. Dann besteht gar keine Gefahr. Oder man sorgt nach dem Schwimmen im kalten Wasser dafür, dass man sich entsprechend wieder aufwärmt. Krafttraining im Fitnessstudio kann ebenfalls hilfreich sein. Hier sollte man sich beraten lassen. Nicht jede Übung ist für Anfänger geeignet und falscher Ehrgeiz kann eher schädlich sein. Man kann einfach aufbauend arbeiten. Aber nicht nur extreme Sportarten sind hilfreich. Auch leichte Yoga Übungen oder Pilates stärken die Muskulatur und können beim Verhindern eines Hexenschusses hilfreich sein.

Langfristig sollten gerade Büroangestellte darauf achten, dass sie ihre Wirbelsäule nicht einseitig belasten. Regelmäßige Positionswechsel sind hier der erste Schritt in die richtige Richtung. Aber auch ein entsprechend geformter Stuhl ist eine große Hilfe. Hier sollte in erster Linie der Lumbalbereich, also der untere Rücken unterstützt werden. Aber auch der Nacken sollte nicht vernachlässigt werden. Auch sonst kann man durch eine entsprechende Einrichtung des Arbeitsplatzes eine starke Verbesserung erreichen. Dazu zählt die Sitzhöhe, die Tischhöhe und die Höhe des Bildschirms ebenso wie die Einrichtung des sonstigen Platzes.

In jedem Fall gilt beim Anwenden von Hausmitteln, dass man sich selbst genau beobachten sollte. Werden die Beschwerden gelindert, kann man mit der selbst verordneten Therapie weitermachen. Tritt keine oder keine ausreichende Linderung ein, muss immer ein Arzt zu Rate gezogen werden.