Archiv für den Monat: Juli 2011

Karpaltunnelsyndrom – was ist das und was kann man tun?

Es begann mit einem harmlosen Kribbeln in den Fingern der rechten Hand. Immer wieder schliefen Daumen, Zeige- und Mittelfinger ein – zunächst nur kurz und meist nachts, später auch lang anhaltend und tagsüber. Da ich Rechtshänderin bin, wurde diese Taubheit in den Fingern schnell nicht nur lästig (und teils schmerzhaft), sondern auch hinderlich: beim Autofahren, bei der Haushaltsarbeit und vor allem bei meiner täglichen Arbeit am Computer. Schmerzen im Handballen und Probleme, Dinge sicher zu greifen, häuften sich.

Eine schnell im Internet recherchierte Eigendiagnose ergab den Verdacht auf ein Karpaltunnelsyndrom, da ich als Frau und als ständige Computernutzerin geradezu prädestiniert zu sein schien. Der Karpaltunnel ist eine Röhre, die auf der Handinnenflächenseite vom Unterarm zur Hand führt. Begrenzt wird diese Röhre einerseits von den Knochen der Handwurzel, andererseits von einem Band. Durch diesen Tunnel führen nicht nur diverse Beugesehnen der Hand, sondern auch der sogenannte Nervus medianus. Wenn der Karpaltunnel sich nun verengt, wird der Nervus medianus durch den entstehenden Druck gereizt und nach einiger Zeit auch geschädigt. Da dieser Nerv für die Bewegungen von Daumen, Zeige- und Mittelfinger und auch für die Weiterleitung von Empfindungen dieser Finger ans Gehirn zuständig ist, führen Schädigungen am Nerv zu Bewegungs- und Empfindungseinschränkungen. Häufig liegt schon eine anatomisch bedingte Enge des Karpaltunnels bei den Betroffenen vor – als Auslöser für das Karpaltunnelsyndrom kommen dann noch einige Faktoren in Frage. Es sind deutlich mehr Frauen als Männer betroffen, hinzu kommen beispielsweise eine ständige mechanische Überlastung der Handgelenke durch intensive Computerarbeit oder auch Vorerkrankungen wie Diabetes oder Störungen der Schilddrüsenfunktion. Leichte Fälle des Karpaltunnelsyndroms können konservativ (zum Beispiel durch das Tragen einer Schiene) behandelt werden, in schwereren Fällen muss die Verengung operativ behoben werden, um dauerhafte Schädigungen des Nervus medianus zu vermeiden.

Mit dieser Annahme ging ich also zu meinem Hausarzt. Leider geriet ich an dessen Urlaubsvertretung, die mir vehement erklärte, ich habe kein Karpaltunnelsyndrom, sondern einen Bandscheibenvorfall im Bereich der Halswirbelsäule, der zu den Missempfindungen im Arm führe. Eine daraufhin durchgeführte Kernspintomografie erwies jedoch schnell das Gegenteil und war somit letztlich überflüssig (hatte ich doch, wie ich mittlerweile weiß, die klassischen Symptome eines Karpaltunnelsyndroms, da sich die Störungen auf Daumen, Zeige- und Mittelfinger beschränkten). Diagnostiziert wurde das Syndrom dann schließlich von einem Neurologen, der mittels Strom die Nervenleitfähigkeit in beiden Händen testete. Es ergab sich, dass auch die Nervenleitfähigkeit meiner linken Hand bereits eingeschränkt war, was sich aber noch nicht in spürbaren Symptomen geäußert hatte.

Da die Beeinträchtigung meiner rechten Hand bereits relativ weit fortgeschritten war, entschieden sich die Ärzte zu einer chirurgischen Behandlung. Bei dieser Operation wird das den Karpaltunnel begrenzende Band durchtrennt. So wird die Belastung auf den Nervus medianus aufgehoben und der Nerv erholt sich für gewöhnlich binnen kurzer Zeit. Vornehmen sollten diesen Eingriff aufgrund der Empfindlichkeit des Operationsgebietes nur erfahrene Handchirurgen.

Vorgenommen wurde die Operation in einer Uniklinik. Trotz Vollnarkose konnte ich noch am gleichen Tag das Krankenhaus wieder verlassen. Die Hand wurde einige Tage ruhig gestellt, was für mich als Rechtshänderin zwar lästig, aber gut zu bewältigen war. Die Nachsorge wurde zunächst in der Uniklinik, später von meinem Hausarzt übernommen und verlief komplikationslos. In der Tat waren die Beschwerden direkt nach der OP verschwunden und sind seither auch nie wieder aufgetreten. Da der OP-Schnitt in einer natürlichen Falte des Handgelenks gemacht wird, erinnert nur noch eine fast unsichtbare Narbe an den Eingriff. Obwohl ich weiß, dass die Narbe da ist, muss ich schon sehr genau hinsehen, um sie zu entdecken.

Mittlerweile nutze ich eine ergonomische Tastatur und ein Mauspad mit spezieller Handballenauflage, was die Belastung der Handgelenke bei der Bildschirmarbeit enorm verringert. Durch die ergonomische Tastatur winkelt man die Hände seitlich weniger ab; die Handballenauflage sorgt dafür, dass die Handgelenke gerade aufliegen und nicht abgeknickt sind. Die – deutlich geringer ausgeprägten – Beschwerden an meiner linken Hand verschwanden so von allein nach einiger Zeit, eine Operation war hier nicht mehr nötig.

Natürlich sind dies nur meine ganz persönlichen Erlebnisse und Erfahrungen – es ist wichtig, dass jeder Betroffene selbst fachkundigen Rat bei seinem Arzt einholt. Das Karpaltunnelsyndrom muss eindeutig diagnostiziert und die Schwere der Schädigung festgestellt werden, um die notwendige Behandlung einleiten zu können. Jeder Fall ist anders gelagert, dieser Beitrag soll keine allgemeingültige Beratung darstellen!

Erfahren Sie mehr über das Thema auf unserer eigens dafür eingerichteten Kategorie: Karpaltunnel

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Der Karpaltunnel – das Herz einer Hand
Karpaltunnel: Schmerzen im Handgelenk:

Vorbeugung eines Knopelschadens

Ein Gelenk besteht aus unterschiedlichen funktionalen Komponenten, die aus verschiedenen Materialien aufgebaut werden. Ein Gelenk wird bei jedem Menschen, selbst wenn er keine sportliche Betätigung ausübt, an jedem Tag des Lebens bewegt, sodass das Gelenk einer ständigen Abnutzung und einem Verschleiß unterworfen ist. Bewegung, auch die Bewegung der Gelenke, ist immer mit Reibung verbunden. Bei künstlichen technischen Gelenken, wie sie etwa im Maschinenbau eingesetzt werden, wird die Wirkung der Reibung, die eine starke Beanspruchung der Gelenke darstellt, durch Schmierflüssigkeiten und nachgebende Elemente gemindert. Im menschlichen Körper übernimmt die Gelenkschmiere die Aufgabe, die Reibung zu verringern. Die Gelenkschmiere ist ein Flüssigkeitsfilm, den die innere Gelenkschleimhaut bildet. Zusätzlich sind die Gelenke mit einem Dämpfungssystem ausgestattet, das plötzliche Bewegungen abfedert und starke Druckbelastungen kompensiert. Hierbei handelt es sich um den Gelenkknorpel, einem glatten Überzug über den Gelenken.

Die Gelenke werden von dem Knorpel geschützt und erst mithilfe des Knorpels ist es möglich, eine Bewegung durchzuführen. Daher kann eine Schädigung des Knorpels zu einer massiven Beeinträchtigung der Bewegungsfunktion eines Gelenkes führen. Knorpelschäden sind eine recht häufige Erscheinung. Da die Knorpel einem lebenslangen Verschleiß unterliegen, nehmen die Knorpelschäden zu, je älter der Mensch wird. Knorpelschäden gehören damit zu den typischen degenerativen Alterserscheinungen. Aber nicht nur die Zeit ist ein wesentlicher Parameter bei der Entstehung von Knorpelschäden, sondern auch lang andauernde monotone Gelenkbelastungen, etwa durch immer wieder gleichartige Beanspruchungen bei der täglichen Arbeit, können Knorpelschäden begünstigen. Daneben kann noch eine Vielzahl weiterer Faktoren ursächlich für Knorpelschäden sein. Angeborenen Fehlstellungen der Gelenke, eine falsche Ernährung oder Störungen im Stoffwechselsystem gehören zu den wichtigsten Ursachen. Nach dem Eintreten von Knorpelschäden bildet sich oftmals eine Arthrose aus.

Die Arthrose äußert sich in Schmerzen im Gelenk und in Entzündungen. Außerdem kann die Arthrose zu Verformungen und Verdickungen bis hin zu Versteifungen der Gelenke führen. Je nach Schädigung und der Art der Ausbildung des Knorpelschadens werden vier Stufen unterschieden.

In der ersten Stufe kommt es zu einer Erweichung des Knorpels und der Knorpel quillt auf. In der zweiten Stufe bilden sich Risse und Ausfaserungen an den Außenseiten des Knorpels. Bei der dritten Stufe verstärkt sich die Rissbildung und die Schädigungen reichen vom Äußeren des Knorpels bis zum Knochen des Gelenks. Die vierte Stufe ist durch ein völliges Versagen bis hin zum Verschwinden des Knorpels gekennzeichnet.

Eine Knorpelschädigung wird dann als Arthrose bezeichnet, wenn sich beim Röntgen sichtbare Schädigungen zeigen. So lassen sich im Röntgenbild etwa Änderungen der Breite des Gelenkspaltes beobachten oder auch zusätzliche Verknöcherungen.

Eine Therapie, die die Ursachen der Arthrose durch einen neuen Aufbau von Knorpelmasse beseitigt, ist nicht verfügbar. Im Handel werden verschiedene Präparate und Nahrungsergänzungsmittel angeboten, von denen die Hersteller behaupten, sie würden zum Neuaufbau von Knorpelmasse führen. Für die Wirksamkeit dieser Mittel, die häufig Gelatine enthalten, fehlt jedoch der wissenschaftliche Nachweis. Oral zugeführte Gelatine wird als Eiweißlieferant vom Körper verdaut und steht somit nicht als Substanz für den Knorpelaufbau zur Verfügung. Die meisten Präparate, die vertrieben werden, sind aber unschädlich. Einem Selbstversuch von Betroffenen steht daher nichts im Wege.

Wenn auch eine kausale Therapie nicht möglich ist, so gibt es doch Verfahren, mit denen sich die Beschwerden bei einer Arthrose mindern lassen.

Oftmals lindern physikalische Verfahren wie eine Wärmebehandlung oder Krankengymnastik die Schmerzen. Wirksam sind auch Medikamente mit Cortison oder, bei starken Schmerzen, betäubende Mittel. Auch Hyaluronsäure kann bei einigen Gelenken die Schmerzen verringern und die Bewegungsfähigkeit erhöhen. Wenn die Gelenke der unteren Extremitäten betroffen sind, können orthopädische Maßnahmen, bei denen das Schuhwerk angepasst wird, Linderung verschaffen.

Eine Vorbeugung gegen Knorpelschäden und Arthrose ist grundsätzlich möglich. Da es sich aber um eine Schädigung handelt, die schleichend und in Abhängigkeit von der Gelenkbeanspruchung auftritt, müssen prophylaktische Maßnahmen sehr früh ansetzen. Die wesentlichen vorbeugenden Maßnahme liegen in der Vermeidung unnötiger Belastung und dem Training der Muskeln und Gelenke. Daher sollten bereits früh Dauerbelastungen durch zu hohes Körpergewicht vermieden werden und eine regelmäßige sportliche Betätigung erfolgen. Daneben gibt es Hinweise darauf, dass auch die Nahrung einen Einfluss auf die Entstehung von Knorpelschäden hat. Eine ausgewogene Ernährung und vor allem die hinreichende Zufuhr von Flüssigkeit werden als grundlegend für die Vorbeugung gegen Knorpelschäden eingeschätzt.