Archiv für den Monat: April 2011

Der Karpaltunnel – das Herz einer Hand

Allgemeine Beschreibung
Der Karpaltunnel (griechisch „karpos“, die Handwurzel) ist eine von Bindegewebe fest umschlossene Röhre, die vom Unterarm zur Hand auf der Handflächenseite des Handgelenkes führt. Im Prinzip kann man den Karpaltunnel in einem Satz zusammenfassen: Durch den Karpaltunnel führt ein hochkompliziertes System unterschiedlicher Bandstrukturen, beispielsweise Sehnen und Nerven, die für eine einwandfreie Funktion einer Hand zuständig und von elementarer Bedeutung sind. Zum Verständnis: Eine Sehne verankert am Skelett einen Muskel, dessen Aufgabe es ist, die Muskelkontraktion, also das Zusammenziehen eines Muskels, auf die Knochen zu übertragen.

Der „Nervus medianus“ sorgt nicht nur für Bewegung
Der wohl wichtigste Nerv, der durch den Karpaltunnel läuft, ist der „Nervus medianus“, er steuert die Bewegungen des Daumens und der Finger, und er hat noch eine weitere wichtige Funktion: Durch seine Sensibilität meldet der „Nervus medianus“ sämtliche Empfindungen sofort an das Gehirn weiter. Ist er beschädigt oder überbeansprucht, hat dies eine schmerzhafte Sehnenscheidenentzündung zur Folge.

Die Karpaltunnel-Begrenzung
Betrachtet man den Karpaltunnel im Querschnitt wird er von den Handwurzelknochen begrenzt, die sozusagen eine Art Rinne bilden, weshalb auch die seitliche Begrenzung knöchern ausgebildet ist. Auf seiner Oberfläche dagegen verläuft quer das Handgelenksband (Karpalband), das sich straff gespannt zwischen Daumen- und Kleinfingerballen befindet. Das Handgelenksband besteht aus einer festen Faserstruktur zwischen Fettgewebe und Sehnen und bildet das Dach des Karpaltunnels.

Sehnen im Karpaltunnel
Wichtige Sehnen für die Funktion einer Hand verlaufen durch den Karpalkanal. Hierzu gehören der „daumenseitige Handglenksbeuger“, die Beugesehnen für die langen Finger und die Beugesehne für den Daumen. Schwellen die Sehnen im Karpaltunnel an, entsteht ein schmerzhafter Druck, den man als „Karpaltunnelsyndrom“ bezeichnet.

Mögliche Ursachen
Vom „Karpaltunnelsyndrom“ betroffen sind vor allem Menschen, die über Jahre hinweg ihre Hände durch eintönige Arbeiten stark belasten – auch Tennisspieler sind oft betroffen. In der Begründung dafür, dass das „Karpaltunnelsyndrom“ als Berufskrankheit anerkannt wird, heißt es unter anderem: „ Ursache ist die Beugung und Streckung der Handgelenke, durch erhöhten Kraftaufwand der Hände oder durch Hand-Arm-Schwingungen.“ Die Folgen: Der Karpaltunnel verkleinert sich, der Druck auf die Sehnen wird somit verstärkt und kann zu schmerzhaften Entzündungen führen.

Symptome für das Karpaltunnelsyndrom
Die ersten Anzeichen eines Karpaltunnelsyndroms sind meist ein heftiges Kribbeln, oft verbunden mit Schmerzen, die bis in den Unterarm zu spüren sind. Treten diese Schmerzen bereits nach dem Aufwachen am frühen Morgen auf, ist ein Karpaltunnelsyndrom wahrscheinlich und eine neurologische Untersuchung unausweichlich.

Die Untersuchung
Um das Karpaltunnelsyndrom zu diagnostizieren, beklopft der Arzt den Karpaltunnel um sensibelste Reaktionen zu erkennen, und er wird auch den sogenannten „Phalentest“ vornehmen, indem er die Hand längere Zeit gegen den Unterarm drückt. Ist sich der Arzt nicht sicher, folgt ein elektrophysiologische Untersuchung, die letztlich eine sichere Diagnose ermöglicht.

Die Therapie
Wer unter dem Karpaltunnelsyndrom leidet muss viel Geduld mitbringen. Bis zum völligen Verschwinden der Beschwerden kann es Monate dauern. Chirurgische Eingriffe werden nur in schweren Fällen vorgenommen. Entscheidend ist die Ruhigstellung des Arms und der Hand, was meist durch Gipsschienen erfolgt, verbunden mit einer Physiotherapie.

Wir haben eine eigene Seite für das Thema eingerichtet. Lesen Sie hier mehr über den Karpaltunnel.

Hallux valgus – Schiefzehe

Nicht erst in den späteren Lebensjahren leiden Menschen unter einem Hallux valgus. Diese unschöne Beeinträchtigung und anatomische Anomalie kann sich bereits in jungen Jahren ausprägen und manifestieren. Dies trägt dazu bei, dass Patienten im 30. Lebensjahr und darunter starke Einschränkungen und Schmerzen ertragen müssen.
Wie es die medizinische Bezeichnung Hallux valgus aussagt, die im umgangssprachlichen Gebrauch als Schiefzehe bekannt ist, zeigt sich eine mehr oder weniger deutliche Deformierung der ersten, großen Zehe des Fußes. Die eigentliche Beeinträchtigung, welche die Ursache für diesen augenscheinlichen Schiefstand der Zehen ist, verbirgt sich im Großzehengrundgelenk. Wenn Menschen von einem solchen Schiefstand betroffen sind, dann neigt sich das Großzehengrundgelenk nach außen. In Abhängigkeit von der individuellen Ausprägung und Schwere der Fehlstellung tritt der Großzehenballen als kugelartige Ausstülpung hervor und verursacht verschiedene Beschwerdebilder.
Die allgemeinen Ursachen, die zu einem Hallux valgus führen, sind verschiedenartig. Neben einem Spreizfuß, in dessen Folge sich sowohl das Quergewölbe des Fußes als auch die Region des Ballens und die Winkel der einzelnen Zehen zueinander verändern, trägt ungesundes Schuhwerk ganz entscheidend zur Ausprägung eines Hallux valgus bei. Durch zu hohe Absätze, die das komplette Körpergewicht mehr oder weniger stark auf den Ballenbereich verlagern, entsteht eine Deformierung des Großzehengrundgelenks und ein Absenken des Ballengewölbes. Außerdem quetschen stark verengte Schuhspitzen die Zehen, sodass sie in diese Schiefstellung gepresst werden. Werden die Schuhe zu klein gekauft, entstehen ein Hallux valgus sowie die sogenannten Hammer- und Krallenzehen

Persönliche Symptome
Der Hallux valgus bildete sich als Folge einer frühkindlichen Darstellung eines sogenannten Platt-, Spreiz- und Senkfußes, wobei sich das komplette Fußgewölbe absenkt und durch den Druck beim Laufen die Zehen in eine abnormale Position gedrängt wurden. Vom Orthopäden wird dies medizinisch exakt so beschrieben, dass sich die Sehnen die zu den Zehen hin führen, nicht mehr über das Großzehengrundgelenk bewegen, sondern die Zehen in einen Schiefstand ziehen. Es handelt sich somit ursprünglich nicht um einen Beeinträchtigung des Zehengelenks, sondern um den Halte- und Bewegungsapparat, der sich um dieses herum und zu den Zehen hin befindet. Im weiteren Verlauf der Erkrankung haben sich trotz kontinuierlichen Tragens orthopädischer Einlagen die Stellungen der Fußzehen dermaßen verändert, dass der Großzehenballen immer weiter hervorgetreten ist. Die Symptome bestanden in einem ständigen Druckgefühl am Großzehenballen. Darüber hinaus war es beinahe unmöglich, einen Schuh zu finden, der im Vorderbereich so breit war, dass keine Hautveränderungen durch Reiben und Druck auf die Ballen entstanden. Wenn sich die Haut im Laufe des stetigen Druckes aufgerieben hatte, führte dies zu schmerzhaften Entzündungen. Diese trugen dazu bei, dass ein Gehen beinahe unmöglich wurde.

Behandlungsmaßnahmen-konservativ und akut
Seit der Kindheit wurden verschiedene Behandlungsmaßnahmen eingeleitet, die zunächst im Tragen orthopädischer Einlagen bestanden. Leider war keine Besserung ersichtlich. Es blieb die Hoffnung, dass das Fußgewölbe sich im Laufe des Wachstums noch stabilisiert. Um die konservative und schulmedizinische Therapie zu komplettieren, fanden neben der Versorgung mit Einlagen gegen den Spreiz- und Senkfuß spezielle krankengymnastische Übungen statt, um das Fußgewölbe zu kräftigen und die Muskeln und Sehnen zu stärken. Das Tragen von Schuhen mit hohem Absatz war nie möglich, denn sobald die Absatzhöhe mehr als 2 Zentimeter betrug, wurden die Schmerzen nach einer halben Stunde unerträglich. Aus diesem Grund wurde flaches, geschlossenes Schuhwerk mit möglichst breiten Zehenbereichen bevorzugt.
Im Laufe der Jahre prägte sich der Hallux valgus jedoch immer deutlicher aus, erst entstanden Rötungen an den Ballen, danach bildete sich zunehmend mehr Hornhaut. Diese wurde regelmäßig professionell entfernt. Bei langem Gehen sowie beim Zurücklegen längerer Distanzen mit Gewicht, beispielsweise Einkaufstaschen, schwollen die Füße an, die Schmerzen waren pochend und stechend zugleich. Sobald es möglich war, mussten die Schuhe von den Füßen. Linderung gab es beim Hochlegen der Beine, zum Teil in Kombination mit Schmerzmitteln und Einreibungen sowie Fußbädern, die der Orthopäde verordnete.
Diese kurze Zeit der Entlastung brachte keine Linderung und die Zehen verformten sich immer mehr in den charakteristischen Schiefstand.

Besserung nach Operation
Auf Anraten des orthopädischen Facharztes erfolgte auf Grund des enorm hohen Leidensdruckes und dem Wunsch, sich wieder sportlicher Betätigung zu widmen, ein operativer Eingriff, bei dem eine Korrektur des Hallux valgus vorgenommen wurde. Diese Lösung wurde deshalb angeraten, weil die Schmerzen einfach lästig waren und immer schlimmer wurden, zumal auch die Schmerzmedikamente kaum noch hilfreich waren.
Es werden im Rahmen der operativen Eingriffe zur Beseitigung des Hallux valgus unterschiedliche Eingriffe durchgeführt. Die jeweilige Operationsmethode wird vom Facharzt festgelegt.
Die Operation wurde unter lokaler Anästhesie vorgenommen, sodass kein stationärer Aufenthalt erforderlich wurde. Bei der Operationstechnik wurde das Großzehengrundgelenk nicht bearbeitet und auch nicht entfernt. Diese Vorgehensweise war in den vergangenen Jahren typisch.
In Abhängigkeit von der Schwere der Ausprägung des Hallux valgus werden einige Techniken gemeinsam ausgeführt, einige werden wiederum weggelassen, um die bestmöglichsten Resultate für den Patienten zu erhalten. Neben einer Längenreduzierung des sogenannten Grundgliedes können überschüssige Knochenbestandteile am Ballen entfernt und eine als Achskorrektur bezeichnete Variante vorgenommen werden. Bei einer Achskorrektur erfolgt ein Gleichrichten der Zehenstellung durch eine sogenannte Umstellungsosteotomie. In den meisten Fällen genügt es, die Sehnen zu verändern.

Nach der Operation
Das Resümee heute nach einem Jahr – gerade Zehen und keine Schmerzen, Sport und intensive Dauerbewegung sind möglich, keine Wetterfühligkeit und keine hohen Schuhe.
Lesen Sie hier einen weiteren Artikel über den Hallux valgus.

Das Kniegelenk des Menschen ist für viele Bewegungen unabdingbar

An wie vielen Bewegungsabläufen das Kniegelenk beteiligt ist, wird jedem erst dann klar, wenn es nicht mehr so richtig mitarbeiten mag. Das wird meistens durch eine Kniegelenkserkrankung deutlich. Nun gibt es die unterschiedlichsten Kniegelenkserkrankungen. Was aber wohl jeder unterschreiben kann, der es schon mal mitgemacht hat, Knieschmerzen sind richtig unangenehm. Auch ich musste vor einigen Jahren erleben, was das Knie mit einem Menschen machen kann, wenn es nicht mehr gesund ist. Sicher fragt sich der Leser, was passiert ist und was danach kam, also von Anfang an, die Geschichte meiner Kniegelenkarthrose.

Ich komme aus einem Beruf, der viele verschiedene Bewegungsabläufe beinhaltet. Vor allem aber die Knie werden beim Job im Verkauf besonders belastet. Es geschah bei mir nach einer wirklich stressigen Inventur, als ich am Abend merkte, dass die Hose am rechten Bein rund um das Knie plötzlich extrem spannte. Das rechte Knie war auf einmal aufgeblasen wie ein Luftballon. Das Kniegelenk ist ein komplizierter Gelenkmechanismus aus Muskeln und Sehnen und Knochen. Schon vor diesem Abend hatte ich schon mal Schmerzen im Knie, die ich als brennend oder auch reißend beschreiben möchte. Aber zum Arzt zu gehen hielt ich wegen ein Paar Schmerzen nicht für so wichtig, wichtiger war der Job. Aber an diesem Abend ging fast nichts mehr, im Laufe der Zeit setzte auch das zweite Knie aus. Mit den Schmerzen, die wirklich nicht zum Aushalten waren, war ich plötzlich aus dem alltäglichen Leben, sprich der Arbeit raus. Was nun folgte, war eine wahre Odyssee durch verschiedene Arztpraxen unterschiedlicher Fachrichtungen. Bis zur Diagnose Rheumatoide- Kniegelenkarthrose ist viel Zeit und viele Stunden voller Schmerzen vergangen.

Es ist zum Auswachsen, wenn man vier Ärzte fragt, bekommt man oft fünf verschiedene Meinungen oder Diagnosen. Ich kann gar nicht mehr zählen wie viele Spritzen, Punktionen und Kniespiegelungen ich bereits hinter mir habe. Im Laufe der Karriere als Patient, habe ich die verschiedensten Arztpraxen, Krankenhäuser und Rehaeinrichtungen besuchen müssen. Am Anfang war es echt schwer für mich, ich hatte erst nach diversen heißen Bädern eine Ahnung, dass es sich um eine entzündliche Erkrankung handeln müsste. Denn nach den warmen Bädern schwollen die Kniegelenke stets an und die Schmerzen nahmen sehr stark zu. Eine Blutuntersuchung, die auf mein Drängen gemacht wurde, kamen dann irgendwann die erhöhten Entzündungswerte raus. Und das ist es auch, was ich im Laufe der Zeit herausgefunden habe, jeder Patient ist sein bester Arzt. Ein Spezialist auf dem Gebiet hat in einem Vortrag mal gesagt, jeder Mensch, der Rheuma oder Arthrose hat, sollte wissen, was einem gut tut. Doch was spielte sich im Innern des Kniegelenks ab?

Nach einer Kniespiegelung wusste ich, dass es bei mir die Sehnen, Bänder und Gelenke sind, die von der Arthrose betroffen sind. Von Zeit zu Zeit muss das jeweilige Kniegelenk abpunktiert werden. Bei der Punktion wird eine lange Hohlnadel in das Kniegelenk eingeführt, mit einer Spritze wird dann die Flüssigkeit abgezogen, aber auch entzündungshemmende Medikamente wie Kortison werden auf diesem Weg direkt eingespritzt. Diese Behandlung führt dazu, dass die Kniegelenke abschwellen können. Bei akuten Entzündungsprozessen sollte vor allem Kälte angewendet werden, allerdings sollte jeder betroffene Patient professionell angeleitet werden, damit die Kälte an den richtigen Stellen angesetzt wird. Aber auch die nötigen Ruhephasen und die richtige Bewegung gehören zur richtigen Therapie. Bei der Arthrose mit Rheuma handelt es sich um eine chronische Erkrankung, die zwar nach jeder Behandlung auch wieder etwas gebessert ist, aber niemals ganz ausheilt. Dabei ist der Verlauf einer Kniegelenkserkrankung immer unterschiedlich und kann damit enden, dass Sie ein künstliches Kniegelenk benötigen. Es gibt die verschiedensten Erkrankungen, die bei jedem Menschen unterschiedliche Verläufe nehmen können. Was ich damit sagen möchte, ist Folgendes: Probleme mit dem Kniegelenk sollten sofort von einem Arzt untersucht werden, wenn das Ergebnis nicht zufriedenstellt, dann sollte auch ein Facharzt wie zum Beispiel ein Orthopäde zurate gezogen werden.

Doch eines ist auch wichtig zu wissen, nicht alle Symptome deuten gleich auf bestimmte Krankheitsbilder hin. Das menschliche Knie ist so kompliziert, dass es auch viele andere Erkrankungen sein können, die eine Störung des Knies eventuell verursacht. Mit dem Gang zum Arzt sollte man nicht warten, denn auch harmlos wirkende Schmerzen können ernsthafte Krankheitsbilder ankündigen. Je frühzeitiger eine Behandlung beginnt, desto besser ist es für die Betroffenen. Ein gesundes Knie macht den Menschen dann auch noch zusätzlich glücklich.

Dieser Beitrag wurde eingereicht von Cicky.

Bandscheibenvorfall – was hilft?

Seit vielen Jahren verbringe ich täglich viele Stunden am Computer, da mein berufliches Tätigkeitsfeld in der Werbebranche liegt. Als Webdesigner arbeite ich rund um die Uhr mit dem Rechner. Lange Zeit habe ich dabei nicht auf eine ergonomische Haltung geachtet und hatte logischerweise wenig Bewegung. Dass mein Rücken beim Sitzen stark gekrümmt war, habe ich nicht bemerkt – bis ich eines Tages starke Rückenschmerzen bekam.

Sobald ich bestimmte Bewegungen ausgeübt habe, zum Beispiel wenn ich mich im Sitzen zur Seite gedreht habe, quälte mich ein stechender, nahezu unerträglicher Schmerz. Schon bald strahlten die Schmerzen vom Rücken aus bis in mein linkes Bein; ebenso verspürte ich Taubheitsgefühle in den Zehen und der Wade. Auszuhalten war das Ganze fast nur noch im Liegen, weshalb ich mich für einige Tage auf der Arbeit krank meldete. Ehe ich endlich zum Arzt ging, quälte ich mich mehrere Tage mit den Schmerzen herum, weil ich glaubte, sie würden von allein wieder verschwinden. Doch anstatt abzuklingen, wurden sie immer schlimmer, sodass ich mich nicht mehr vor dem Arztbesuch drücken konnte.

Mein Hausarzt gab mir wegen der akuten Schmerzen eine Spritze und verschrieb mir Schmerzmittel, die allerdings kaum Wirkung zeigten. Er war ratlos und schickte mich zu einem Neurolgen, welcher nach einer Computertomografie einen Bandscheibenvorfall in der Lendenwirbelsäule diagnostizierte. Durch meine ständige Fehlhaltung während der Arbeit am Computer und durch den Bewegungsmangel entwickelte sich eine Schwäche der Muskulatur neben den Wirbeln.

Was ist ein Bandscheibenvorfall eigentlich?

Der Neurologe erklärte mir, dass sich die Bandscheibe aus einem weichen Kern (Gallertkern) und einem umliegenden Bindegewebsring zusammensetzt. Durch die Schwäche meines Bindegewebes – ausgelöst durch die ständige Fehlhaltung und den Bewegungsmangel – konnte der Bindegewebsring einer bestimmten Bewegung nicht mehr standhalten, da die Belastung zu groß war. Mit einem Mal ist er eingerissen, wodurch der Gallertkern nach hinten wegrutschte und somit ein Stück weit austreten konnte. Der Kern drückte auf einen Nerv und verursachte heftige Schmerzen.

Diagnose Bandschreibenvorfall – was tun?

Mein behandelnder Arzt schickte mich zu einem Orthopäden. Da ich nicht nur einen leichten, sondern sehr schweren Bandscheibenvorfall hatte, war der Orthopäde davon überzeugt, mir könne ausschließlich eine Operation helfen. Um mich von den Schmerzen zu befreien, müsse der Teil der Bandscheibe, welcher ausgetreten ist und auf den Nerv drückt, entfernt werden.

Ohne mich genauer informiert zu haben, welche Möglichkeiten es sonst gäbe, wollte ich keiner Operation zustimmen. Ich schaute mich nach anderen Behandlungsmethoden um und wandte mich schließlich an einen Physiotherapeuten. Ich musste zwar eine Weile auf den Therapiebeginn warten und deshalb vorübergehend verschiedene schmerzstillende Medikamente einnehmen, doch habe ich schnell festgestellt, dass die Physiotherapie in meinem Fall genau das Richtige war:

Physiotherapie

Zu Beginn der Therapie musste ich mich darauf konzentrieren, meinen Körper mit Hilfe bestimmter Übungen wieder besser wahrzunehmen. Durch die Schmerzen war meine Körperwahrnehmung gestört, sodass ich nicht daran arbeiten konnte, meine Fehlhaltung zu korrigieren.

Durch Anspannungsübungen verbesserte sich meine Wahrnehmung von Rückenmuskulatur und Wirbelsäule. Dabei sollte ich mich aber nicht nur auf die akute Schmerzlinderung konzentrieren, sondern als Ziel immer die Verbesserung meiner Wirbelsäulenstabilität im Auge behalten. Denn nur die Schmerzen zu beheben, löst nicht die Ursache des Problems, sodass es jederzeit zu erneutem Auftreten der Schmerzen kommen könnte. Mein Physiotherapeut hat mir einige Übungen beigebracht, die ich mehrmals am Tag zu Hause wiederholen sollte. Mein Behandlungs- und Selbsthilfeplan sollte dazu führen, dass meine Schmerzschwelle durch Nervenmobilisation heraufgesetzt wird, meine Wirbelsäulenmuskulatur gekräftigt wird und die Muskelspannung und Schonhaltung reduziert werden. Dies konnte ich durch Entspannungtechniken für die Muskulatur nach einigen Wochen erreichen. Im Zusammenhang damit standen Methoden, mit welchen ich sowohl eine Wärmeentwicklung erzeugen und somit meine Durchblutung fördern konnte als auch meine Lendenmuskulatur entspannen und meine Wirbelsäulenbeweglichkeit verbessern konnte.

Darüber hinaus habe ich durch die Übungen in der Physiotherapie gelernt meine Fehlhaltung zu korrigieren und Belastungen der Wirbelsäule zu minimieren. Letzteres gelang mir unter anderem durch Entlastungsstellungen, Muskelkräftigung und richtiges Heben.

Nach der Therapie

Um einem erneuten Auftreten der Beschwerden vorzubeugen, mache ich die Übungen aus der Physiotherapie wann immer ich Zeit und Lust dazu habe. Als sehr hilfreich hat sich für mich sportliche Betätigung erwiesen: Die körperliche Bewegung an der frischen Luft sorgt nicht nur für ein gesteigertes Wohlbefinden, sondern auch für die Verbesserung der Körperhaltung und Koordination, die Kräftigung der Rückenmuskulatur und das Lockern und Lösen von schmerzhaften Verspannungen.

Als durchaus ertragreich hat sich in meinem Fall Ausdauersport gezeigt: Regelmäßige Unterwassergymnsatik, Rückenschwimmen und Kraulen waren meine Favoriten, da sie meinen Rücken stark entlastet haben und ich gleichzeit meine Muskulatur stärken konnte. Darüber hinaus wurde mir Nordic Walking empfohlen, woran ich mich erst einmal langsam herantasten musste, weil ich anfangs zu übermütig war und ich mit meinem Training nahezu Höchstleistungen erbringen wollte. Dies ist bei einem Bandscheibenvorfall natürlich nicht gefragt und eher eine Be- als Entlastung.

Jeder muss selbst austesten, was für ihn und seinen Rücken gut ist und sich besonders wohltuend anfühlt. Auf einen Arztbesuch sollte man aber keinesfalls verzichten: Wer sich selbst zu therapieren versucht, kann vieles falsch machen und sich mehr schaden als seine Genesung einzuleiten. Auch wenn es manchmal dauert, bis die richtige Diagnose gestellt wird, sollte man einen geeigneten Arzt aufsuchen, wenn man Beschwerden hat, die auf einen Bandscheibenvorfall hinweisen. Auf therapeutische Unterstützung und ein individuell angepasstes Training sollte größter Wert gelegt werden, da im Alleingang vieles schief gehen kann.

La Cantante