Archiv für den Monat: Februar 2011

Luxation des oberen Sprunggelenks

Wir nutzen unsere Sprunggelenke täglich unzählige Male, auch wenn wir gar nicht springen. Auf ihnen lastet eine Menge Gewicht und sie haben vielerlei Aufgaben.
Doch selbst wer nie aktiv Sport betrieben hat, kann trotzdem Probleme mit einem oder beiden Sprunggelenken haben, weil sie sich abnutzen. Dann hat eine schleichende Arthrose zu Umbauprozessen innerhalb des Gelenks geführt.
Sportverletzungen des Sprunggelenks ereignen sich im Fußball, im Handball und logischerweise vor allem in der Leichtathletik häufig. Sehen wir zum Beispiel einen Hochspringer nach einem Sprung mit schmerzverzerrtem Gesicht von der Matte aufstehen und davon humpeln, oder bleibt er gleich ganz liegen, dann hat er sich in vielen Fällen die Außenbänder des Sprunggelenks verletzt oder sie wurden überdehnt. Häufig reißen diese Bänder sogar,
denn beim Abspringen wirken enorme Kräfte auf diesen Bereich des Fußes. Komplette Frakturen sind eher selten, aber Fissuren, so genannte Haarrisse, treten oft als Folge von Traumata auf. Sprunggelenksverletzungen gehören zu den häufigsten Sportverletzungen überhaupt.
Aber auch im privaten Bereich kann man sich durch Ausrutschen, Umknicken und Überlastung des Fußes leicht verletzen.

So wie mich vor fünf Jahren im Winter, als ich dran war mit dem Schneeräumen vorm Haus. Das macht mir normalerweise nichts aus, aber an dem Tag war es bitter kalt und ich hatte Frühdienst in der Firma.
Ich schlotterte vor Kälte als ich den Schnee zur Seite räumte und ein wenig Granulat streute.
Schnell wollte ich ins Haus zurück, um mich für die Arbeit fertig zu machen. Da geschah es, kurz vor dem Hauseingang glitt ich aus, knickte um und fiel hin.
Zwei Nachbarn eilten herbei, um mir zu helfen. Sie hatten meine Schmerzensschreie gehört und trugen mich in meine Wohnung, von wo aus sie sofort den Krankenwagen riefen. Bis zu seinem Eintreffen verbanden sie mir die stark blutende Wunde am Kopf. Aber die machte mir keine Sorgen, viel mehr als die Platzwunde schmerzte mein linker Fuß. Als ich die Schuhe auszog, war er schon doppelt so dick wie der rechte. Er war blau-rot angelaufen und ein dunkelblauer Strich zog sich rund um die Fessel. Selbst mir las Laie war sofort klar, dass etwas gebrochen sein musste.
Der Notarzt war innerhalb von Minuten da und legte mir eine Infusion und eine Fußschiene an. Er lobte die Nachbarn für den vorbildlichen Kopfverband und stellte eine erste Verdachtsdiagnose:
Gerhirnerschütterung, Platzwunde am Kopf und Luxation des oberen Sprunggelenks.
Obwohl ich es gar nicht wollte, liefen mir Tränen über die Wangen. Es war drei Tage vor Weihnachten und ich war auf dem Weg ins Krankenhaus.

Eine nette junge Ärztin untersuchte den Fuß und legte eine neue Schiene an. Die Platzwunde am Kopf war schnell genäht. Schlecht wurde mir nicht in den nächsten vierundzwanzig Stunden, es war nur eine leichte Gehirnerschütterung. Trotzdem kamen die Ärzte immer wieder an mein Bett und kontrollierten meine Pupillen mit einer Taschenlampe. Sie nahmen mir Blut ab und am nächsten Morgen schob mich ein Pfleger im Rollstuhl zum Röntgen und zur Computer-Tomographie. Der diensthabende Orthopäde prüfte die Unterlagen und bestätigte die Diagnose des Notarztes. Zwei Stunden später kam der Anästhesist in mein Zimmer und erklärte mir die Operation und die Risiken. Noch am gleichen Tag fand der Eingriff statt.
Er dauerte zwei Stunden, denn mir wurden Schrauben und eine Platte in den Fuß eingesetzt.
Als ich aufwachte, hatte ich Schmerzen, aber sie waren erträglich dank der guten Behandlung durch Ärzte und Schwestern. Mein Fuß war hoch gelagert und geschient.
Am ersten Weihnachtsfeiertag durfte ich auf Krücken nach Hause. Sie wurden meine ständigen Begleiter, denn ich durfte den Fuß noch nicht belasten. Im Bett lagerte ich das Bein immer hoch. Es dauerte Wochen, bis der Fuß nicht mehr ganz so stark geschwollen war und ich vorsichtig wieder auftreten konnte.
Nach acht Monaten musste ich erneut ins Krankenhaus und die Platte samt Schrauben wurden durch eine zweite Operation entfernt. Der Heilungsprozess dauerte bei nicht annähernd so lange wie nach der ersten Operation.
Aber ich hatte jetzt ein ganz anderes Problem. Ich fühlte mich unsicher ohne das Ersatzteillager in meinem Fuß und litt unter der ständigen Angst, mein Fuß könnte erneut brechen.

Empfindlich ist das Sprunggelenk auch jetzt nach fünf Jahren noch, doch bis auf die Operationsnarben sieht man ihm nichts an. Einen Wetterfrosch muss ich mir nicht halten, denn das Ziehen im Fuß spüre ich schon, wenn ein Tiefdruckgebiet noch zweihundert Kilometer entfernt ist. Ich meide Sportarten, bei denen die Verletzungsgefahr groß ist. Zusammen mit ein paar Freundinnen habe ich Nordic Walking, das Wandern mit Stöcken, für mich entdeckt. Vor Glatteis nehme ich mich seit dem Unfall besonders in Acht und lege Wert auf rutschfestes Schuhwerk.