Archiv für den Monat: Januar 2011

Kniearthrose durch unbehandelten Knorpelschaden

Ich erinnere mich noch ganz genau an den Tag, als es passiert ist: Es war Sommer, es war richtig heiß und wir waren vor ein paar Tagen in unsere erste eigene Wohnung gezogen. Mein Freund und ich hatten Urlaub und wollten die Dachterrasse einweihen. Ich holte nur noch schnell etwas zu Trinken aus dem Kühlschrank und da passierte es. Wie aus heiterem Himmel stürzte ich und bemerkte sofort einen unsagbaren Schmerz in meinem rechten Knie. Ich kann nicht einmal sagen, warum ich stürzte und mir das Knie so übel verdrehte. Auf jeden Fall wurde es sofort dick und tat höllisch weh. Mein Freund wollte mich gleich zum Arzte fahren, aber ich hatte Angst, dass der mich ins Krankenhaus schickt, und lehnte das ab. Irgendwie schleppte ich mich auf die Dachterrasse und legte mich auf die Luftmatratze, aber vor lauter Schmerzen wusste ich gar nicht wie ich liegen sollte. Mein Freund hat mir dann ein Kühlakku geholt und später eine schmerzstillende Salbe auf mein Knie gemacht und einen Verband angelegt. Meine Eltern meinten auch, ein paar Tage das Bein hochlegen und schonen sei das Richtige. Mein Freund meinte, das Kühlen sei wichtig, also tat ich auch das und rieb mit einer Salbe ein, die mir eine Freundin empfohlen hatte.

Besuch beim Hausarzt:
Aber all das half nicht wirklich, und als es nach einigen Tagen sogar noch dicker wurde, bin ich dann doch zu meinen Hausarzt gefahren. Dieser meinte, es könnte ein Knorpelschaden oder der Meniskus sein, aber das müsse dann bei einer Kniespiegelung untersucht werden. Ich solle dazu zum Krankenhaus fahren.

Der Rat der Freundin:
Meine Freundin meinte später, es müsse ja nicht gleich ein Knorpelschaden sein, vielleicht sei es auch nur eine Zerrung und gehe von selber wieder weg. Sie meinte, sie würde nicht gleich eine Spiegelung machen lassen, das könne man ja immer noch tun. Ich sah das auch so und darum beschloss ich abzuwarten, ob es nicht von allein besser werden würde. Nach einigen Tagen ging die Schwellung tatsächlich zurück und die Schmerzen wurden weniger. Nur wenn ich viel laufen musste oder nach einer durchtanzten Nacht schwoll mein Knie wieder an und war am nächsten Tag schmerzhaft und in der Bewegung eingeschränkt. Dann konnte ich es auch einige Tage nicht ganz beugen. Ich nahm dann ein paar Schmerztabletten und legte mein Bein hoch. Ich ging viel schwimmen, weil ich mal gehört hatte, dass das helfen soll.

Der Beginn der Arthrose:
So ging es ein paar Jahre, bis die Schmerzen nach und nach immer häufiger auftraten. Beim Treppensteigen knirschte mein Knie auf einmal und wenn man die Hand auf das Knie legte und das Knie beugte, spürte man auch unter der Hand das Knirschen. Irgendwann hatte ich dann bereits gleich nach dem Aufstehen starke Schmerzen, die etwas besser wurden wenn ich ein bisschen herum lief. Sobald ich mein Knie einige Stunden nicht bewegte fingen die Schmerzen wieder an und gingen irgendwann gar nicht mehr ganz weg. Deswegen suchte ich dann doch noch einmal meinen Hausarzt auf. Ich hatte mittlerweile einen anderen Arzt, er wusste also nichts von der alten Verletzung. Auch er riet mir sofort zu einer Kniespiegelung, bei der dann auch gleich der von ihm vermutete Knorpelschaden behoben werden könne. Wegen meiner extremen Angst vor Operationen fragte ich ihn, ob es nicht eine Alternative gäbe und er meinte, wir könnten es zunächst mit Physiotherapie und Spritzen versuchen, er sei aber nicht sehr optimistisch. Er ging davon aus, dass der Knorpelschaden schon recht weit fortgeschritten sei und nur eine Operation helfen könne. Dennoch gab er mir ein Rezept für Krankengymnastik und außerdem ein Schmerzmittel. Er rief dann noch für mich bei einem Orthopäden an und machte mir dort einen Termin und ich konnte schon in der nächsten Woche kommen. Zwischenzeitlich hatte ich auch schon meinen ersten Termin bei der Krankengymnastik und legte hochmotiviert los. Aber schon nach der ersten Behandlung hatte ich abends so schlimme Schmerzen, dass ich gar nicht gehen konnte und ein stark angeschwollenes Knie. Trotzdem wollte ich es weiter versuchen und nahm alle meine Termine wahr, aber immer wurden die Schmerzen danach deutlich schlimmer. Der Krankengymnast meinte auch, ich hätte ganz sicher einen großen Knorpelschaden und riet mir die Kniespiegelung zu machen.

Beim Orthopäden:
Der Orthopäde hatte mein Knie in der Zwischenzeit geröntgt und mit einer Hyaluronsäure-Therapie begonnen und ich wollte zunächst den Erfolg dieser Behandlung abwarten. Nach fünf Injektionen jeweils im Abstand von fünf bis sieben Tagen war immer noch keine Besserung zu bemerken und so musste ich mir eingestehen, dass wohl kein Weg an der Kniespiegelung vorbeiführt. Einige Tage später hatte ich meinen Termin für die Spiegelung. Jahrelang hatte ich das vor mir hergeschoben und muss nun sagen, hätte ich gewusst wie wenig schmerzhaft das ist, ich hätte es viel früher gemacht. Der Orthopäde stellte einen Knorpelschaden dritten Grades fest und glättete den Knorpel. Er sah sofort, dass ich schon länger mit dem Knorpelschaden herumgelaufen war und erklärte mir, dass es besser gewesen sei, diesen sofort zu behandeln. Weil der Knorpelschaden nicht behandelt wurde hatte sich mein Knie immer mehr entzündet und war immer öfter gereizt. Der Knorpel hatte sich immer mehr abgerieben. Durch mein langes Warten hatte ich mir nicht nur unnötige Schmerzen eingehandelt, sondern auch noch alles schlimmer gemacht, durch den unbehandelten Knorpelschaden hatte sich eine Arthrose entwickelt. Der Orthopäde erklärte mir, dass ein unbehandelter Knorpelschaden zu einer Entzündung führt und die Entzündung dann wieder dazu beiträgt, dass sich der Knorpelschaden verschlimmert. Er verschrieb mir nun wieder Krankengymnastik, um die Muskulatur zu stärken und das Knie zu entlasten. Aber mein Knie wird immer etwas wackelig und anfällig bleiben. Der Orthopäde erklärte mir auch, dass der zerstörte Knorpel sich nicht mehr aufbaut, man könne nur versuchen das Fortschreiten des Knorpelschadens zu verlangsamen. Wenn ich das alles gewusst hätte, wäre ich ganz sicher viel früher zum Orthopäden gegangen. Die Tipps von Freunden und Verwandten waren sicher sehr gut gemeint, aber den Gang zum Arzt können sie eben nicht ersetzen. Ich kann daher nur empfehlen, bei Verdacht auf einen Knorpelschaden lieber sofort zum Arzt gehen.