Kategorie-Archiv: Bandscheibe

Alle Informationen über Wirbelsäule und Bandscheiben

wirbelsaeule-bandscheibe

Die Funktion der Bandscheibe

Eine Bandscheibe ist eine flexible Verbindung zwischen den Wirbeln der Wirbelsäule und besteht aus einem äußeren Faserknorpel und einem inneren Gallertkern.
Die menschliche Wirbelsäule zählt 23 Bandscheiben, zu deren Hauptfunktion es gehört Druck- und Stoßbelastungen abzufedern, denn der innere Gallertkern der Bandscheibe besteht aus etwa 80% Wasser und wird auch aufgrund seiner stoßdämpfenden Eigenschaften „Wasserkissen“ genannt.

Prolaps und Protrusio:

Wird nun der äußere Faserknorpel der Bandscheibe durch falsche Körperhaltung, Fehlbelastung oder beispielsweise einer degenerativen Veränderung geschädigt, kommt es zu einem Austritt des inneren Gallertkerns. Der Gallertkern berührt bei anschließender Belastung die Nervenwurzel (Bandscheibenvorwölbung oder Protrusio) oder er klemmt die Nervenwurzel ein und verdrängt sie (Bandscheibenvorfall oder Prolaps).

Die Folge sind starke Schmerzen (Siehe auch rot gekennzeichneten Bereich in Abbildung oben: Schmerzzentrum).

Symptome und Diagnostik:

Schmerzen, die von einer möglichen Schädigung der Bandscheibe ausgehen werden auch als Ischias oder Kreuzschmerz beschrieben. Diese Schmerzen entwickeln sich plötzlich und können in Arm oder Bein (Ischias) abstrahlen, je nachdem ob eine Bandscheibe im Bereich der Halswirbelsäule (HWS) oder Lendenwirbelsäule (LWS) betroffen ist. Zur Diagnostik setzen wir Untersuchungsverfahren wie z.B. 3-D Statikvermessung, Knochendichtemessung, Kernspintomographie oder auch die Muskelfunktionsmessung ein.

Therapie:

Fragen Sie die Bandscheiben-Spezialisten im Wirbelsäulenzentrum der Aschaffenburger Grünewaldklinik um Rat, wenn Sie unter Rückenschmerzen leiden.
Mit einer Periradikuläre-Therapie oder Schmerzkatheterinjektion können wir Ihnen helfen viel Lebensqualität zurückzugewinnen. Ein unter medizinischer Aufsicht absolviertes, tägliches Rückentraining kann dazu beitragen Ihre Schmerzen zu minimieren. Informieren Sie sich bei uns über Ihre persönlichen Möglichkeiten. Herr Dr. Keller ist gerne für Sie da.

Zusammenfassung:

Unsere Bandscheibe funktioniert wie ein Puffer. Sie dämpft unsere alltäglichen Bewegungen. Bei jedem Schritt den wir machen, verliert der innere Gallertkern (Wasserkissen) ein wenig Flüssigkeit. Diese Flüssigkeit wird bei Druck- und Stoßbelastungen herausgepresst. In der nächtlichen Ruhephase saugt sich der Gallertkern wieder mit nährstoffhaltiger Flüssigkeit auf und trägt so zur Versorgung des Faserknorpels bei. Rückenschmerzen können nun auftreten, wenn beispielsweise der innere Gallertkern auf die höchst empfindliche Nervenwurzel an der Wirbelsäule drückt. Als mögliche Ursachen hierfür zählen altersbedingte Degeneration, falsche Körperhaltung aber auch Fehlbelastung oder Überbeanspruchung. Wichtig ist es, herauszufinden welche Ursache bei Ihnen für die Rückenschmerzen verantwortlich ist. Durch unsere Methoden und Untersuchungsverfahren können wir dies diagnostizieren und Ihnen anschließend helfen, die Schmerzen zu verringern.

Bandscheibenvorfall: was tun?

Irgendwann hatte ich auf einmal Rückenschmerzen und kurz darauf begannen undefinierbare Schmerzen, die sich von der Hüfte bis ins Bein zogen und nicht mehr weggingen. Außerdem kribbelte es immer wieder im Fuß. Beim Laufen war es manchmal etwas besser, aber wirklich weg waren die Schmerzen nie. Da ich nicht besonders gerne zum Arzt gehe, habe ich es erst einmal mit rezeptfreien Schmerztabletten versucht, die haben aber kaum geholfen. Langsam schwante mir, dass das nichts Gutes bedeuten kann, zumal fast alle Bekannten, denen ich von meinen Schmerzen erzählte, sofort Bandscheibenvorfall diagnostizierten. Schließlich bin ich dann doch zu meinem Hausarzt gegangen, der dann leider auch ziemlich schnell zum gleichen Ergebnis kam.

Ich war erst einmal geschockt, aber mein Arzt meinte, dass das nicht unbedingt schlimm sein muss, also nicht zwangsläufig eine Operation erforderlich ist. Er riet mir, erst einmal für zwei Wochen die Wirbelsäule zu entlasten und verschrieb mir stärkere Schmerzmittel. Für die nächsten zwei Wochen sollte ich möglichst auf einer harten Unterlage schlafen, auf keinen Fall schwer heben und keinen Sport treiben, bei dem Drehbewegungen erforderlich sind. Wenn überhaupt, empfahl er Schwimmen, da das die Wirbelsäule entlastet. Daran habe ich mich so gut wie möglich gehalten. Nach den zwei Wochen wurde es tatsächlich etwas besser, ganz vorbei war es aber immer noch nicht. Mein Arzt empfahl mir dann Krankengymnastik, um die Bauch- und Rückenmuskulatur zu stärken. Glücklicherweise übernahm meine Krankenkasse für eine Zeit lang die Kosten dafür, das ist aber von Krankenkasse zu Krankenkasse unterschiedlich. Danach habe ich dann noch auf eigene Kosten weiter gemacht, bis die Schmerzen ganz weg waren. Anschließend bin ich in ein Sportstudio gewechselt, das ein spezielles Rückentraining anbietet, außerdem gehe ich möglichst regelmäßig schwimmen. Auch fahre ich jetzt öfter mit dem Fahrrad oder gehe zu Fuß. Bewegung, das habe ich gelernt, ist für die Bandscheiben außerordentlich wichtig. Ich hatte glücklicherweise nur einen leichten Schaden, aber es kann auch schlimmer kommen.

Meine Krankengymnastin hat mich während der Behandlung über die Wirbelsäule und die Bandscheiben aufgeklärt, was ich sehr gut fand. Mir wurde dann erst richtig klar, wie wichtig ist es ist, auf sie zu achten. Wenn man weiß, wie das komplexe Wirbelsäulensystem funktioniert, wird einem einiges klar. Deshalb nachfolgend eine kurze Erläuterung.

Die Wirbelsäule

Die Wirbelsäule wird in fünf Abschnitte eingeteilt. Von oben nach unten sind dies: Hals-, Brust- und Lendenwirbelsäule sowie Kreuz- und Steißbein. Insgesamt hat die Wirbelsäule 34 Wirbel (manchmal auch 35). Die oberen 24 Wirbel sind beweglich, die unteren 10 bis 11 sind miteinander zu Kreuz- und Steißbein verwachsen. Die meisten Wirbel bestehen aus einem Wirbelkörper und einem Wirbelbogen, wodurch in der Mitte ein Hohlraum entsteht. Die Hohlräume aller Wirbelknochen zusammen bilden den Wirbelkanal, der das empfindliche Rückenmark schützt. Zwischen jeweils zwei benachbarten Wirbeln treten die Rückenmarksnerven (Spinalnerven) aus und ziehen sich beispielsweise in die Beine oder in die Arme.

In einer Art geschwungener Bogen verbindet die Wirbelsäule den Kopf mit dem Becken. Von der Seite betrachtet hat sie die Form eines Doppel-S. Die Wirbelsäule selbst ist von einem Stützapparat umgeben, der aus etwa 550 Muskeln sowie aus 400 Sehnen und Bändern besteht. Die Wirbelsäule hat im Wesentlichen die Aufgabe Erschütterungen, die beispielsweise beim aufrechten Gehen vorkommen, abzudämpfen und gleichmäßig auf den ganzen Körper zu verteilen. Somit fungiert sie wie ein Stoßdämpfer eines Autos. Zusätzlich bilden sie wie viele andere Knochen in ihrem Knochenmark Blutzellen.

Die Halswirbelsäule

Die Halswirbelsäule besteht aus sieben relativ kleinen Wirbeln. Der erste Halswirbel wird Atlas genannt. Er besteht im Gegensatz zu den anderen Wirbeln nicht aus einem Wirbelkörper und einem Wirbelbogen, sondern lediglich aus einem Knochenring, der die gesamte Wirbelsäule mit dem Schädelknochen verbindet. Dass der Hals beziehungsweise der Kopf so beweglich ist, kommt daher, dass der Atlas eine besonders bewegliche Verbindung zum zweiten Halswirbel (Axis) hat. Das, was die meisten Menschen im Nacken als kleine Knochenauswölbung ertasten können, ist der siebte und letzte Halswirbel. Als Besonderheit weisen die Halswirbel Querfortsätze mit kleinen Öffnungen auf, durch die die Wirbelaterien verlaufen. Sie entspringen der Hauptschlagader und sind für Blutversorgung des Gehirns von großer Bedeutung.

Die Brustwirbelsäule

Die Brustwirbelsäule besteht aus 12 kräftigen Wirbeln, die als Ansatz für die Rippen des Brustkorbs dienen und durch ein Gelenk mit diesen verbunden sind. Am Ende der Brustwirbelsäule treten die Nerven für die Beine aus.

Die Lendenwirbelsäule

Die fünf Wirbel der Lendenwirbelsäule sind relativ groß, da sie den größten Anteil am Körpergewicht tragen. Aufgrund der hohen Belastung treten besonders in diesem Bereich Gelenkabnutzungen oder Bandscheibenvorfälle auf. Im ersten oder zweiten Lendenwirbel endet das Rückenmark. Durch den Wirbelkanal der Lendenwirbelsäule ziehen sich jedoch sowohl Nerven für die Beine als auch Nerven für das Becken.

Kreuzbein und Steißbein

Die Wirbel des Kreuzbeins sind im Laufe der Evolution zusammengewachsen und bilden nunmehr eine Einheit. Die fünf zusammenhängenden Wirbel des Kreuzbeins sind durch ein Gelenk mit dem Becken verbunden. Auch das Steißbein hat sich im Laufe der menschlichen Entwicklung verändert. Es entspricht quasi dem Schwanzskelett bei den Wirbeltieren. Beim Menschen hat sich dieses Schwanzskelett mit der Zeit zurückgebildet und besteht heute nur noch aus 3 bis 4 oder 5 Wirbeln, die ebenfalls miteinander verschmolzen sind. Hauptsächlich dient es als Ansatzpunkt für verschiedene Muskeln und Bänder des Beckens.

Bandscheiben und Bänder

Die Wirbelsäule ist zwar ein wichtiges Stabilisierungsorgan, aber auch für die Bewegung übernimmt sie eine tragende Rolle. Deshalb müssen die Wirbelkörper einerseits stabil miteinander verbunden sein, andererseits müssen sie aber auch Bewegungen zulassen. Eine zugleich stabile und bewegliche Verbindung ist eine komplizierte Angelegenheit. Bei der Wirbelsäule wird das durch ein System mit mehreren Komponenten gelöst. Zum einen sind jeweils zwei benachbarte Wirbel mit einem Wirbelgelenk verbunden, sodass Bewegung möglich ist. Zum anderen erhält die Wirbelsäule Stabilität durch Bandscheiben, Bändern und Muskeln.

Außer dem ersten und dem zweiten Halswirbel sowie dem Kreuz- und Steißbeinwirbel sind alle anderen Wirbel zwischen den Wirbelköpern durch eine Bandscheibe verbunden. Die Bandscheibe besteht aus einem weichen Kern (Gallertkern), der wie eine hydraulische Kugel funktioniert. Der Kern ist jeweils von einem festen aber elastischen Ring umgeben. Diese Faserringe wirken dem Innendruck des Gallertkerns entgegen.

Die wesentliche Aufgabe der Bandscheiben ist, neben der beweglichen Verbindung der Wirbel, die Abfederung von Erschütterungen, wie sie bei Bewegungen entstehen. Bandscheiben bestehen bei Neugeborenen aus 100 % Wasser, während des Alterungsprozesses nimmt dieser Anteil bis zu ca. 35 % ab. Damit Bandscheiben ihre Elastizität behalten, müssen sie regelmäßig mit Flüssigkeit versorgt werden. Dies geschieht in erster Linie durch Bewegung. Bei Bewegung wird die Bandscheibe be- und entlastet und nur dadurch kann die Bandscheibe Flüssigkeit aufnehmen. Wenn sie zu wenig Flüssigkeit hat, wird der äußere Faserring der Bandscheibe rissig und die Elastizität nimmt ab. Dadurch kann es passieren, dass der Gallertkern nicht mehr in seine neutrale Position gebracht werden kann. Bei einem Wassermangel in den Bandscheiben spricht man von einer Unterernährung der Bandscheibe. Diese kann auch auftreten, wenn die Bandscheiben ständig einer Überbelastung ausgesetzt sind. Durch die Bänder und Muskeln erfolgt die Stabilität der Wirbelsäule.

Die Bandscheibe ist täglich enormen Belastungen ausgesetzt. Normalerweise drücken zwischen 30 bis 50 Kilo auf das Organ. Auch eine kurzfristige Belastung um das Vierfache kann eine gesunde Bandscheibe abfedern. Die Anpassung an die tägliche Belastung lässt sich sogar mit dem Metermaß nachweisen. Die meisten Menschen sind am Anfang des Tages ca. zwei Zentimeter größer als am Abend.

Bandscheibenprobleme

Eine Abnutzung oder Unterernährung der Bandscheiben muss nicht zwangsläufig zu Bandscheibenproblemen führen. Bei einer allmählichen Abnutzung, wie sie der Alterungsprozess mit sich bringt, kann sich das Funktionssystem der Bandscheiben durchaus auf die veränderte Situation einstellen. Das Risiko steigt jedoch je „unterernährter“ die Bandscheiben sind. Bei einem akuten Vorkommnis, beispielsweise eine ungewöhnlich starke Druckbelastung, entstehen hingegen in der Regel starke Schmerzen.

Grundsätzlich wird zwischen Bandscheibenvorwölbung und Bandscheibenvorfall unterscheiden. Bei der Bandscheibenwölbung konnte der Gallertkern beispielsweise nach einer Beugung nicht mehr in seine neutrale Position gebracht werden. Das ihn umgebende Fasergewebe bleibt dabei jedoch unbeschädigt und es tritt kein Bandscheibengewebe aus. Von einem Bandscheibenvorfall spricht man, wenn der äußere Faserring Risse aufweist, durch die Bandscheibengewebe austritt.

In ca. 90% der Fälle treten Bandscheibenprobleme in der Lendenwirbelsäule auf, da dieser Teil der Wirbelsäule am meisten Gewicht trägt. Sind bei einer Bandscheibenschädigung Nerven oder Nervenwurzeln betroffen, wird es schmerzhaft. Beim sogenannten Hexenschuss ist beispielsweise der Sitzbein- oder Hüftnerv (Ischiasnerv) betroffen. Er kann Schmerzen vom Gesäß bis in das Bein ausstrahlen.

Was tun bei einer Bandscheibenschädigung?

Jedenfalls sollte ein Arzt aufgesucht werden, entweder der Hausarzt oder ein Orthopäde. Der Umfang und die Dauer der Therapie richten sich wesentlich nach dem Ausmaß der Schmerzen. Manche Bandscheibenschädigungen bessern sich schon nach ein paar Wochen, andere können sehr langwierig sein. Zur Basistherapie gehören in jedem Fall eine zeitweise Entlastung der Wirbelsäule, Physiotherapie und Schmerzmittel (Tabletten und/oder Spritzen). Auch ein Antirheumatikum kann hilfreich sein. Absolute Bettruhe wird heute hingegen eher kritisch gesehen, weil dadurch die Muskulatur weiter erschlafft und somit die Wirbelsäule noch instabiler wird. Zusätzlich können Wärmepflaster und Wärmegeräte helfen, die Schmerzen zu lindern. Nach der Behandlung des akuten Vorfalls sind auf jeden Fall langfristige Maßnahmen erforderlich. Äußerst wichtig sind eine Stärkung der Rückenmuskulatur und ausreichend Bewegung. Ein operativer Eingriff wird erst dann erforderlich, wenn alle diese Maßnahmen mittelfristig nicht zu einer wesentlichen Besserung führen.

Störfall im Rücken: Focus Ausgabe 3/12

Im Focus Ausgabe 3/12 wurde ein sehr guter Artikel über das Thema „Rücken ohne Schmerzen“ veröffentlicht. Für alle Rückenleidenden bzw. Bandscheibengeschädigten ist die Lektüre nur zu empfehlen.
In dem Artikel wurde darauf hingewiesen, dass bei bestimmten Patienten ein neuartiges, medizinisches Trainingsprogramm zu einer deutlichen Verbesserung des Rückenleidens verhelfen konnte. Bei dem Programm handele es sich um eine Kombination der Bewegungstherapie gekoppelt mit neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen der Sportpsychologie.
„Der Trend geht weg von passiven Behandlungen, langen Krankschreibungen und Operationen hin zu einer Strategie, bei der Patienten selbst aktiv werden sollen und die Ärzte sich mit Eingriffen zurückhalten.“

Auf die richtige Bewegung kommt es an:
Viele Patienten wissen immer noch nicht, dass Bewegung einen entscheidenden Einfluss auf das Krankheitsbild „Rückenschmerzen“ hat. Auf http://www.inkubator-vectoring.de haben etliche Autoren in einer Vielzahl von Artikeln auf diesen Punkt hingewiesen. Jeder Knorpel in unserem Körper hat eine bestimmte „Bewegungs- oder bewegungsunterstützende Funktion“ innerhalb unserer Gelenke. Gelenke werden in der Regel entweder

  • durch zu hohe Beanspruchung abgenutzt oder aber
  • durch zu wenig Bewegung geschädigt.
  • Altersbedingte Regeneration oder
  • genetische Ursachen können ebenfalls Gründe für Gelenkschmerzen sein.

Der Artikel des Focus zielt hier insbesondere auf Patienten mit zu wenig Bewegung. Denn bei mangelnder Versorgung der Knorpel durch Gelenkschmiere kann es zu Rissbildungen kommen, die später zu einer Arthrose führen. Zudem ist fast jedes Gelenk im menschlichen Körper von einer Gelenkkapsel umgeben, deren Stabilität in besonderem Maße von einem Sehnenapparat und Muskelfasern gefestigt werden.
Die Stabilität der Gelenke lässt sich also ganz klar antrainieren und so ein Arthrose-Risiko minimieren.
Wohlgemerkt, dies gilt bei einem medizinischen Trainingsprogramm aber hat keine Allgemeingültigkeit.

Die Bandscheibe hingegen ist eine knorpelfaserige Verbindung zwischen den Wirbeln, deren gallertartiger Kern für Elastizität sorgt. Bei Ingangsetzung des menschlichen Bewegungsapparates wird durch Druck Flüssigkeit aus dem Gallertkern einer Bandscheibe gepresst, die in den Ruhephasen durch Diffusion wieder aufgesaugt wird. Dieser Flüssigkeitsaustausch ist für die Versorgung der Bandscheiben mit Mineralien etc. wichtig. Durch längere Bettruhe beispielsweise bleibt die notwendige Versorgung aus. Daher sollte man die Wirbelsäule auch bei Rückenschmerzen belasten.

Wir können also davon ausgehen, dass Bewegung unseren Gelenken und Bandscheiben nicht nur gut tut, sondern ihre „überlebensnotwendige“ Versorgung sicherstellt.

Zu hohe Belastungen sind schädlich:
Leider wird in dem Artikel aus meiner Sicht der Dinge zu wenig auf Abnutzungserscheinungen der Knorpel eingegangen, die durch zu hohe Beanspruchung der Gelenke zurückzuführen ist. Egal ob Kniegelenk oder Facettengelenk, Hüftgelenk oder Bandscheibe: eine übermäßige Beanspruchung unserer Gelenke kann sich ebenso negativ auswirken wie die Nicht-Beanspruchung. Beispielsweise ist gerade der Volkssport Fußball eine nicht zu unterschätzende Risiko-Sportart was Verletzungsgefahr und Beanspruchung des Kniegelenks und des Sprunggelenks angeht. Aber auch die permanente Überbeanspruchung der Wirbelsäule in manchen Berufen, etwa von Forstarbeitern, kann Schäden hinterlassen, die sich im Alter nur schwer beheben lassen.

Informieren Sie sich:
Sollten Sie unter Kreuzschmerz leiden, sind Informationen über das Krankheitsbild von besonderer Wichtigkeit. Es gibt viele Ärzte, die sich innerhalb des breitgefächerten Themas Orthopädie auf die Wirbelsäule spezialisiert haben. Ob Ihnen eine minimalinvasive Therapie, ein medizinisches Trainingsprogramm oder der Einsatz von Hyaluronsäure hilft, sollte Ihnen der Orthopäde oder Physiotherapeut Ihres Vertrauens sagen. Sie sind zudem gut beraten mehrere Meinungen einzuholen.

Zusammenfassung:
Zusammenfassend ist zu sagen, dass ein medizinisches Trainingsprogramm durchaus geeignet sein kann, die Lebensqualität von Patienten mit Kreuzschmerz deutlich zu verbessern. Vor einer Operation sollten Sie prüfen, ob dieser Weg für Sie persönlich in Frage kommt.

Kreuzschmerz

Kreuzschmerz! Wer einmal damit zu tun hat, den begleitet er oft ein Leben lang. Bei mir zumindest war das so. Mit 22 hatte ich meinen ersten „Hexenschuss“ mitten in einem Volleyballspiel. Beim Hochspringen zum Block, schoss er rein, danach fiel ich um wie ein gefällter Baum und kam ohne Hilfe nicht mehr auf die Beine. Noch drei Mal hatte ich solche plötzlichen Schmerzereignisse im Rücken, aber viel schlimmer waren die vielen Situationen, in denen sich der Kreuzschmerz ganz langsam anschlich und sukzessive so schlimm wurde, dass er zu fast der gleichen Bewegungsunfähigkeit führte, wie der akute Hexenschuss. Wie oft das passiert ist, seit diesem ersten Hexenschuss beim Volleyball, habe ich aufgegeben zu zählen.

Am hartnäckigsten hat es mich dann mit knapp 30 Jahren erwischt. Monatelang hatte ich mit einem Kreuzschmerz zu kämpfen, der mich nie völlig lahmgelegt hat, der aber auch nicht unter Kontrolle zu bringen war. Die üblichen Behandlungen beim Arzt, Tabletten, Spritze, chiropraktische Eingriffe, Krankengymnastik brachten keine wirkliche Besserung und wenn, dann nur für kurze Zeit. Das Röntgenbild meiner Bandscheibe war unauffällig, eine wirklich organische Ursache war nicht zu finden. Das alles war ganz schlimm für mich, vor allem auch, weil meine sportliche Karriere kurz vor dem Aus stand.

Hilfe fand ich endlich bei einem Arzt, der mich mit einem ganzen Cocktail von Behandlungsarten ganz langsam wieder auf die Beine brachte, der mich aber vor allem lehrte, den richtigen Umgang mit dieser Schwäche meines Körpers zu finden. Nichts was er machte war wirklich neu. Auch hier wurde ich chiropraktisch behandelt, massiert, akkupunktiert, mit Neuraltherapie behandelt, vor allem aber sprach er vor und nach jeder Behandlung lange mit mir und machte mich mit meinem Körper bekannt. Er lehrte mich, auf die Anzeichen zu hören, die mein Körper mir sendet, die Haltung zu bewahren, die mein Kreuz entlastet, die Übungen zu lernen, die ich anwenden kann, wenn ich einen akuten Anfall von Kreuzschmerz habe. Durch ihn habe ich gelernt, aufrecht durchs Leben zu gehen, bei den Sitzpositionen keine Kompromisse einzugehen, beim Liegekomfort im Bett und auch anderswo, immer genau auf den Körper zu hören, denn er gibt genaue Anweisungen, was ihm gut tut und was nicht. Wenn es einem besser geht, dann vergisst man solches Wissen schnell wieder und wird von seinem Körper auch schnell wieder dafür bestraft. Für solche Situationen hat mir mein Arzt einige wenige Rückenübungen gezeigt, mit denen ich seither immer alleine wieder auf die Beine gekommen bin. Einmal hatte ich sogar schon einen Termin mit ihm gemacht, aber dann bin ich doch von selbst wieder aus dem Schmerzkreislauf heraus gekommen und konnte ihn absagen.

Ganz wichtig war für mich auch der Hinweis, dass alles hilft, was die Durchblutung in der Schmerzregion verbessert. Mit Winzigkeiten wie einem recht kratzigen Handtuch, mit dem ich mich nach dem Duschen oder Baden immer abgetrocknet habe oder einer Luffagurke, mit der ich selbst die schmerzende Stelle massiert habe, habe ich wirklich gute Erfahrungen gemacht. Nichts von alldem allein, kann natürlich helfen, wenn man unter akutem Kreuzschmerz leidet, aber alles zusammen, sind Bausteine, mit denen man ganz langsam lernt, mit dieser Schwäche des eigenen Körpers umzugehen.

Natürlich habe ich mich auch mit vielen anderen Menschen ausgetauscht, die ähnliche Probleme hatten und dabei habe ich festgestellt, dass solche Erfahrungen nur in beschränktem Maße übertragbar sind. Jeder muss seinen eigenen Weg finden, mit einer Rückenschwäche umzugehen. Jeder muss wohl auch den Arzt finden, der gerade zu ihm und zu seinem Fall passt. Kein guter Ratschlag kann eine ordentliche Untersuchung durch einen Fachmann ersetzen und jeder Fall von Kreuzschmerz liegt anders, obwohl es so viele Menschen gibt, die darunter leiden. Einiges aber gilt doch für die allermeisten Fälle:
Regelmäßige Gymnastik hilft, wobei jeder die richtigen Übungen für seinen speziellen Fall herausfinden muss. Dabei kann ein Physiotherapeut oder ausgebildeter Übungsleiter für Rückenbeschwerden sehr hilfreich sein. Bei mir sind es nur vier oder fünf Übungen, die ich prophylaktisch etwa drei bis vier Mal die Woche mache und ein kleines Repertoire von vielleicht zehn Übungen, die ich im akuten Fall mache, um mich wieder auf die Beine zu bringen.

Sitz- und Liegepositionen müssen kompromisslos den eigenen Bedürfnissen angepasst werden. Der richtige Schreibtischstuhl, nicht irgendein besonders teurer, sondern der, der zu mir passt. Das kann auch ein großer Gymnastikball sein. Lattenrost und Matratze muss man testen und für eine Schlafsituation sorgen, die volle Erholung für den Rücken bedeutet.
Man muss lernen, Dinge zu tragen und zu heben in einer Art und Weise, wie sie der geschädigte Rücken gut aushält. Ich zum Beispiel trage seit dreißig Jahren nichts mehr in einer Hand. Wenn ich eine Tasche dabei habe, dann ist es ein Rucksack, mit dem ich das Gewicht der getragenen Last gleichmäßig auf beide Schultern verteile.
Ganz grundsätzlich muss man einfach einsehen, dass man mit einem Handicap, einer Schwäche lebt und jederzeit gefordert ist, das Leben so auszurichten, dass die Schwäche nicht die Oberhand gewinnt. Ich bin inzwischen 52 Jahre alt, das heißt ich lebe seit dreißig Jahren mit dem Problem Kreuzschmerz. Ich lebe bewusst damit und gönne mir Vieles, was meinen Rücken stabilisiert und die Schmerzen in Grenzen hält, oft sogar völlig in den Hintergrund treten lässt. So kann ich heute immer noch meinem geliebten Volleyballsport nachgehen. Die Leistungsfähigkeit ist nicht mehr besonders hoch und die Knie tun manchmal weh, aber der Spaß ist immer noch der gleiche wie vor dreißig Jahren. Auch bei meiner Arbeit im Büro und als Heimwerker beim Umbau unseres alten Hauses bin ich durch meine Rückenbeschwerden nicht gehandikapt. Das alles verdanke ich dem Arzt, der mich die richtige Umgangsweise mit meiner Rückenschwäche gelehrt hat. Ihm bin ich bis heute dankbar und ich kann nur jeder Frau und jedem Mann, die sich in ähnlicher Situation befinden, raten, so lange nach dem richtigen Arzt zu suchen, bis man den gefunden hat, der sich genauso einfühlsam auf die persönliche Situation einstellt und den richtigen Weg aus dieser schwierigen Situation weist. Wenn man das schafft und sein Leben auf diese Situation einstellt, dann kann man auch mit einem für Kreuzschmerzen anfälligen Rücken ein sehr schönes, erfülltes und sportlich aktives Leben führen.